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Trans-Himalaya: Begegnungen auf meinen morgendlichen Photowalks durch Kathmandu

Vielleicht haben meine morgendlichen Photowalks vor acht Jahren in Kathmandu begonnen. Ich gehe in der Regel noch vor dem Frühstück auf die Straßen und versuche, mit den Menschen in Kontakt zu kommen und das wahre Leben kennenzulernen; zumindest in dem Maß, in dem ein Tourist innerhalb weniger Stunden und im Umkreis von ein paar Kilometern seines Hotels das Leben eines fremden Landes überhaupt erfassen kann.

Was ich dabei gemerkt habe: Wenn ich allein unterwegs bin, werde ich in der Regel sehr freundlich und interessiert von den Menschen aufgenommen. Ich denke, das liegt daran, dass ich allein unterwegs bin und die Menschen mich eher als Mensch wahrnehmen als als Tourist.

Klar, ich passe ganz offensichtlich nicht in ihr Umfeld, aber ich versuche mich zumindest optisch nicht zu sehr abzugrenzen. Ich sehe nicht besonders luxuriös aus und das Wichtigste: Ich zeige ihnen gegenüber echtes Interesse. Meist versuche ich, mit den Menschen in Kontakt zu kommen, mit ihnen zu sprechen, sie in ihrer Umgebung zu fotografieren und ihnen anschließend ihr Porträt auszudrucken oder auf digitalem Weg zukommen zu lassen.

Schon in den ersten Stunden des Tages erlebe ich oft sehr besondere und für mich unvergessliche Momente. Von einigen dieser Morgenstunden in Kathmandu möchte ich dir nun berichten.

Auf den Straßen in den frühen Morgenstunden

Natürlich durfte kein Tag ohne meine morgendlichen Photowalks beginnen. In Tibet sowie in Xining ging die Sonne leider erst gegen 8 Uhr auf. Selbst dort hatte ich kaum die Möglichkeit, noch vor dem Frühstück zu fotografieren. Umso mehr freute ich mich darüber, dass in Kathmandu die Sonne bereits gegen 6 Uhr aufging und ich genug Zeit hatte, vor dem Frühstück durch die Straßen dieser besonderen Stadt zu streifen.

In diesen frühen Stunden entdeckte ich zahlreiche tolle Fotomotive: Jugendliche beim Karate-Training, die besondere Stimmung auf den lokalen Märkten oder die spannenden Stadtteile Kathmandus, in die sich kaum ein Tourist verirrte.

Ein zufälliger Weg ins echte Kathmandu

Am ersten Morgen war ich in einem Stadtteil unterwegs, den ich eher zufällig entdeckte. Die Straßen wurden immer enger, schließlich waren es nur noch schmale Gassen. Die Menschen, die hier lebten, blickten mich zunächst etwas misstrauisch an, reagierten jedoch freundlich, als ich mich ihnen mit meiner Kamera näherte.

Zu einem Mann entwickelte sich eine besondere Verbindung. Er freute sich regelrecht darüber, dass ich ihn fotografierte. Wir „unterhielten“ uns eine Weile mit Händen und Füßen, bevor sich unsere Wege trennten. Am nächsten Morgen kehrte ich in diesen Stadtteil zurück. Ich traf viele der gleichen Menschen wieder und wurde bereits aus der Ferne gegrüßt. Auch meinen Bekannten sah ich erneut. Diesmal war er in einem Tempel und übte gerade seine Religion aus. Wieder freute er sich sehr über unsere Begegnung.

Eine weitere eindrückliche Begegnung hatte ich mit einem muslimischen Fleischer. Er willigte auf meine Frage ein, ihn zu fotografieren. Zunächst zeigte er sich noch etwas schüchtern. Seine Frau trat in den Hintergrund und bedeckte ihr Gesicht. Sein Geschäft war klein und eng, im hinteren Teil hing ein Bild der Prophetenmoschee von Medina. Ich zeigte ihm daraufhin ein Foto von mir, das vor der zweitheiligsten Moschee des Islams entstanden war. Sofort war das Eis gebrochen. Er freute sich sichtbar darüber, dass ich einen Bezug zu seiner Religion hatte. Er holte seine Frau und sein Kind dazu, damit auch sie das Bild sehen konnten. Wir unterhielten uns noch eine Weile, erneut mit Händen und Füßen. Diese Begegnung war sehr herzlich und bleibt mir sicher lange in Erinnerung. Zum Abschied gab er mir sogar die Hand.

Wenig später sprach mich ein Mann in meinem Alter an und fragte, warum ich mich in diesem Stadtteil aufhielt. Er hatte hier noch nie einen Touristen gesehen. Er war begeistert, als ich ihm erklärte, dass ich das Leben abseits des Tourismus kennenlernen wollte. Mit ihm konnte ich mich endlich einmal richtig unterhalten. Nach unserem Gespräch bat er mich, ihn ebenfalls zu fotografieren. Eine Bitte, der ich gern nachkam.

Einige Straßen weiter bog ich in einen Bezirk ein, in dem viele Schneider und Schuster ihre Werkstätten hatten. Ein Mann hat mich dabei besonders beeindruckt und ist mir sofort aufgefallen. Er hatte keine klassische Werkstatt, sondern hatte sein Werkzeug und seine Materialien einfach auf dem Fußweg ausgebreitet.

Ich schaute mir sein „Geschäft“ eine Weile an, und schon bald kamen wir ins Gespräch. Es war sehr beeindruckend, mit ihm zu sprechen. Im Nachhinein musste ich wieder daran denken, wie unterschiedlich die Startchancen und zukünftigen Perspektiven im Leben sein können.

Und dennoch: Auch wenn er auf den ersten Blick mir gegenüber deutlich benachteiligt wirkt, strahlte er einen so positiven Geist aus, von dem viele Menschen noch etwas lernen können. Solche Begegnungen machen mich immer sehr demütig – und das noch heute, während ich diesen Text schreibe.

Kurz bevor ich den Stadtteil verlassen musste, um das Frühstück im Hotel nicht zu verpassen, hielt ich noch an einer Fleischerei. Schon am Vortag war sie mir aufgefallen. Ein Mann zerlegte dort ein ganzes Tier, während sich eine größere Menschenmenge versammelt hatte, um ihm zuzusehen.

Die Männer waren aufgeschlossen, der Fleischer ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und ging konzentriert seiner Arbeit nach.

Dass ich diesen Stadtteil zufällig entdeckt hatte, war ein Glücksfall. Er beeindruckte mich sehr und gefiel mir persönlich sogar besser als das quirlige, westlich geprägte Thamel. Auch die Entscheidung, ihn an zwei Tagen zu besuchen, war genau richtig. Besonders am zweiten Tag merkte ich, wie viel offener die Menschen mir gegenüber waren.

Ich denke, gerade diesen morgendlichen Photowalk werde ich noch lange in Erinnerung behalten.

Kathmandu erwacht: ein Morgen auf dem Markt

Früh am Morgen verwandeln sich die Straßen der Altstadt von Kathmandu in einen einzigen großen Markt. Überall an den Straßenrändern haben sich Händlerinnen und Händler niedergelassen, um die verschiedensten Waren zu verkaufen. Alle, die an diesem Tag ihre Waren anbieten, versprechen sich ein gutes Geschäft: ganz Nepal steckt in den Vorbereitungen für das Divali-Fest. Irgendetwas muss schließlich jeder besorgen. Die ohnehin schon schmale Straße wird dadurch noch schmaler, und man kommt nur noch Mensch an Mensch hindurch.

Kurz nach dem Sonnenaufgang fällt ein unbeschreiblich schönes Licht in die Gassen und taucht alles in eine warme Lichtstimmung. Ich genieße diese Augenblicke und kann es manchmal kaum fassen, in welch faszinierender Welt ich mich gerade befinde. Begeistert, demütig und zugleich aufgeregt laufe ich durch die Szenerie, die mich umgibt.

Ich sehe Menschen, die ich nicht kenne. Höre Sprachen, die ich nicht verstehe. Rieche Gerüche, die mir oft völlig fremd sind und beobachte Szenen, die mir alles andere als vertraut sind. Alle um mich herum sind ganz mit sich selbst beschäftigt und oft habe ich das Gefühl, dass mich in diesem Treiben niemand beachtet.

Also gehe ich einfach durch die Straßen, bleibe hier und da stehen, beobachte, fotografiere, gehe weiter. Ich lebe vollständig im Moment, der sich vor mir entfaltet. Natürlich begleitet mich dabei immer der Soundtrack dieses Ortes: das Rufen der Marktschreier, das Stimmengemurmel der Menschen, und zwischendurch das laute Aufheulen eines Mopeds.
Diese morgendlichen Besuche auf einem Markt oder in einer Marktstraße sind jedes Mal ein wirklich schönes Erlebnis.

Zu Gast auf einem buddhistischen Festival

An einem anderen Morgen war ich auf der Suche nach dem ein oder anderen Motiv. Ich hatte mich in einer Straßenecke niedergelassen, um das Treiben zu beobachten, als sich vor mir plötzlich der Anfang einer riesigen Menschenmenge abzeichnete.

Es waren meist Frauen, vereinzelt auch Männer. Alle liefen gemeinsam in eine Richtung, manche trugen Fahnen. Die Menge war dabei bemerkenswert ruhig – und wenn ich überhaupt eine Emotion wahrnahm, dann war es eine stille, freudige Gelassenheit.

Ich beschloss, eine Weile mitzulaufen. Mal lief ich schneller, um wieder nach vorne zu gelangen, mal ließ ich mich zurückfallen – so verschaffte ich mir nach und nach einen guten Überblick. Wohin die Menge unterwegs war, blieb mir jedoch weiterhin ein Rätsel.

Schließlich bog ich in eine Seitengasse ab, auf der Suche nach anderen Motiven. Eine ganze Weile später – und völlig zufällig – entdeckte ich die Menschenmenge in einem buddhistischen Tempel wieder.

Sie hatte sich dort versammelt, und allem Anschein nach feierte man ein Fest. Es gab Essen und Getränke, die Menschen standen in langen Schlangen. Der Tempel selbst war noch geschlossen, aber prächtig geschmückt. Im Hintergrund erklang Musik. Vielleicht waren es Gebete, die dort gesungen wurden?

Ich war beeindruckt von diesem kleinen Festival und beobachtete die Szene gespannt. Manche Menschen nahmen von mir gar keine Notiz, obwohl ich in diesem Innenhof durchaus auffiel. Andere lachten mich freundlich an. Und wieder andere versuchten, mich anzusprechen und mir auf Nepalesisch zu erklären, was ich hier sah.

Mir blieb nichts anderes übrig, als freundlich zu lächeln und zu nicken. Und dennoch erlebte ich auch hier einen ganz besonderen Moment – weit abseits des Tourismus in Kathmandu.

Eine Teeküche am Wegesrand

Einen weiteren wunderschönen Moment erlebte ich auf dem Rückweg zum Hotel. Der Hunger meldete sich langsam, und eigentlich wollte ich direkt zurück.

Doch dann kam ich an einer kleinen, sehr authentischen Teeküche vorbei und fragte den Koch, ob ich ein Foto machen dürfte. Er, sicherlich auch der Besitzer, stimmte zu, und ich durfte ihn in seiner Küche fotografieren.

Ein neugieriger Gast beobachtete das, lächelte und winkte mich zu sich. Als ich mich zu ihm setzte, stellte sich heraus, dass er sehr gut Englisch sprach – und so unterhielten wir uns eine ganze Weile.

Ich saß nun also in einer kleinen Küche, so niedrig, dass ich mich kaum aufrecht hinstellen konnte. Auch hierher verirrte sich kein Reisender, nur Menschen, die hier tagtäglich ihren Tee tranken. Es war ein wirklich schöner Moment: Ich saß einfach mitten unter Einheimischen, niemand versuchte, mir etwas zu verkaufen. Wir waren schlicht am Erzählen: sie und ich.

Das schönste Ritual einer Reise oder was Reisen wirklich ausmacht

Meine morgendlichen Runden mit der kleinen Sony RX100 VII sind für mich ein echtes Ritual. Eines, das ich auf Reisen nicht missen möchte. Die Begegnungen, die ich in diesen Stunden mache, sind unvergesslich.

Genau diese Momente machen für mich das Reisen aus. Es sind meist nicht die Sehenswürdigkeiten oder die vermeintlichen Highlights. Es sind die Augenblicke fernab des Trubels; die stillen, unerwarteten Begegnungen mit Menschen vor Ort. Sie lassen mich etwas über die Region erfahren, durch die ich reise. Und sie lassen mich wachsen.

Ein Reisetag kann für mich nicht besser beginnen als mit einem kleinen Photowalk. Zurück in der Unterkunft habe ich bereits eine ganze Menge erlebt und kann ganz entspannt in den Rest des Tages starten.

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