Irgendwann während meiner Weltreise habe ich angefangen, auf Reisen kleine Videos zu drehen. Sie fangen die Atmosphäre fremder Länder oft noch ein bisschen besser ein als Fotos allein.
Ein solches Video gibt es auch von dieser Tibet-Reise: von Xining über Lhasa bis zum Everest Base Camp und von dort weiter per abenteuerlichem Roadtrip in unsere Sehnsuchtsstadt Kathmandu. Das Video gibt einen schönen Überblick über eine Reise, die uns wohl noch lange, wenn nicht für immer, in Erinnerung bleiben wird.
Vielleicht haben meine morgendlichen Photowalks vor acht Jahren in Kathmandu begonnen. Ich gehe in der Regel noch vor dem Frühstück auf die Straßen und versuche, mit den Menschen in Kontakt zu kommen und das wahre Leben kennenzulernen; zumindest in dem Maß, in dem ein Tourist innerhalb weniger Stunden und im Umkreis von ein paar Kilometern seines Hotels das Leben eines fremden Landes überhaupt erfassen kann.
Was ich dabei gemerkt habe: Wenn ich allein unterwegs bin, werde ich in der Regel sehr freundlich und interessiert von den Menschen aufgenommen. Ich denke, das liegt daran, dass ich allein unterwegs bin und die Menschen mich eher als Mensch wahrnehmen als als Tourist.
Klar, ich passe ganz offensichtlich nicht in ihr Umfeld, aber ich versuche mich zumindest optisch nicht zu sehr abzugrenzen. Ich sehe nicht besonders luxuriös aus und das Wichtigste: Ich zeige ihnen gegenüber echtes Interesse. Meist versuche ich, mit den Menschen in Kontakt zu kommen, mit ihnen zu sprechen, sie in ihrer Umgebung zu fotografieren und ihnen anschließend ihr Porträt auszudrucken oder auf digitalem Weg zukommen zu lassen.
Schon in den ersten Stunden des Tages erlebe ich oft sehr besondere und für mich unvergessliche Momente. Von einigen dieser Morgenstunden in Kathmandu möchte ich dir nun berichten.
Triggerwarnung: Bilder von Bestattungen, trauernden Menschen und verstorbenen Menschen im Kapitel Pashupatinath
Pashupatinath gehört zu den eindrucksvollsten Orten Kathmandus. Im Osten der Stadt, am heiligen Bagmati-Fluss, treffen hier Spiritualität, Alltag und Abschied unmittelbar aufeinander. Der Tempelkomplex ist eines der wichtigsten hinduistischen Heiligtümer Nepals und zugleich ein Ort der Verbrennungsrituale.
Der Besuch hinterlässt starke Eindrücke: Rauchschwaden steigen in den Himmel, Zeremonien finden parallel statt, und das Leben geht unmittelbar neben dem Tod weiter. Es ist ein Ort, der berührt, irritiert und zum Nachdenken über Vergänglichkeit und das Leben selbst anregt.
Ich hatte das große Privileg, mehrere Zeremonien zu verfolgen, zu beobachten und die Geschehnisse mit meiner Kamera festzuhalten.
Das Ergebnis seht ihr hier in einem fünfminütigen Dokumentationsvideo.
Am späten Nachmittag sind wir endlich in einer unserer Sehnsuchtsstädte dieser Welt angekommen. Endlich waren wir wieder in Kathmandu.
Wir hatten unseren Fahrer bezahlt und ihm noch ein faires Trinkgeld gegeben. Nun war es Zeit, uns mit unseren Rucksäcken auf den Weg zum Hotel zu machen. Zunächst dachten wir, wir würden den Weg ohne Navigation finden – doch so war es nicht. Nach acht Jahren brauchten wir doch ein paar Hinweise, bevor wir das Hotel in den vielen Straßen des touristischen Stadtteils Thamel fanden.
Schon bald standen wir in der Lobby des Hotels. Während des Check-ins stellte ich fest, dass in den letzten acht Jahren die Inhaber gewechselt hatten. Die Leitung und die Angestellten waren sehr jung. Dennoch machte die Unterkunft weiterhin einen sehr guten Eindruck.
Wir bezogen unser schönes Zimmer und machten uns bald darauf auf den Weg, die Straßen von Kathmandu wiederzuentdecken.
Das Schöne an unserem erneuten Kathmandu-Besuch war, dass wir genau wussten, was wir uns noch einmal ansehen wollten – und überhaupt keinen Stress hatten, da wir die Must-haves bereits während unserer ersten Nepalreise abgehakt hatten.
So warteten nun wunderbare Tage in dieser faszinierenden Stadt auf uns.
Seit ein paar Jahren haben wir unsere Reisen so verändert, dass wir oft eine Rundtour unternehmen. Das heißt, wir buchen einen sogenannten Gabelflug: Wir fliegen von A nach B und später von C wieder zurück nach A.
Bei unserer Reise nach Tibet sind wir von München nach Xining geflogen und später von Kathmandu wieder zurück nach München.
Dadurch sieht man natürlich viel mehr von dem Land, durch das man reist, als wenn man immer wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren müsste – in unserem Fall nach Xining.
Somit mussten wir jedoch vom Base Camp des Mount Everest irgendwie nach Kathmandu kommen. Allein die Aussicht auf eine unserer Lieblingsstädte ließ die Vorfreude auf den letzten Abschnitt dieser Tibetreise ins Unermessliche wachsen.
Obwohl ich vor noch nicht einmal einem halben Jahr im Everest Base Camp gewesen bin, ist dieser Moment doch schon wieder so weit weg – und gleichzeitig immer noch ganz nah in meiner Erinnerung.
Ich spüre die Kälte dieses Tages noch immer. In Gedanken gehe ich den Weg von unserer Unterkunft zu dem Ort erneut, an dem wir den höchsten Berg unseres Planeten bestaunt haben. Ich habe diesen Anblick noch genau vor Augen.
Es war nie mein Ziel, einmal vor diesem – irgendwie wunderschönen – Gipfel zu stehen. Doch im Nachhinein hat sich der teils beschwerliche und auf jeden Fall sehr kostenintensive Trip absolut gelohnt.
Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal einen Ort besuchen würde, an dem so viele Schicksale geschrieben wurden – Schicksale, die ich bisher nur aus den Büchern von Hans Kammerlander oder Reinhold Messner kannte.
Es waren zwar nur 24 Stunden, die ich an diesem besonderen Platz verbracht habe, aber dieser Tag wird hoffentlich ein Leben lang in meiner Erinnerung bleiben.
Nun war es endlich so weit. Wobei ich das Everest Base Camp in meinen Gedanken gar nicht als das Highlight dieser Reise sehen wollte. Vielmehr war es der Roadtrip durch das faszinierende Tibet. Ein Land, das nur von wenigen Menschen bereist wird und werden kann.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich das Buch „Sieben Jahre in Tibet“ zum zweiten Mal gelesen, und viele der Orte, die wir besuchten oder an denen wir vorbeifuhren, hatten auch Heinrich Harrer und Peter Aufschnaiter gesehen – damals unter völlig anderen Bedingungen, in einer Zeit, in der die großen Expeditionen zum höchsten Berg unserer Erde, dem Mount Everest, stattfanden.
Ich genoss jeden Moment viel zu sehr, um sagen zu können, dass ausgerechnet dieser Tag das Highlight der Reise werden sollte. Dennoch war ich in der Vorbereitung sehr aufgeregt gewesen, wie das Wetter vor Ort sein würde. Ich hatte Fotos gesehen, auf denen man aufgrund des Nebels nicht erkennen konnte, ob man sich in Dänemark, in den Alpen oder im Himalaya befand.
Hätten wir solches Wetter gehabt, wäre ich wohl dennoch enttäuscht gewesen, denn ganz ohne Sicht auf den Everest wollte ich Tibet dann doch nicht verlassen.
Dieses Problem sollten wir an diesem Tag jedoch nicht haben. Als ich das Fenster unseres Hotelzimmers in Shegar öffnete, schien die Sonne zwar noch nicht, doch am Himmel war keine einzige Wolke zu sehen. Die klare Luft ließ die Kälte der Atmosphäre deutlich spüren.
Somit hatten wir die besten Voraussetzungen, um an diesem Tag den höchsten Gipfel unseres Planeten bei bestem Wetter bestaunen zu können.
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