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Trans-Himalaya: Vom Dach der Welt nach Kathmandu – Ein Overland-Abenteuer

Seit ein paar Jahren haben wir unsere Reisen so verändert, dass wir oft eine Rundtour unternehmen. Das heißt, wir buchen einen sogenannten Gabelflug: Wir fliegen von A nach B und später von C wieder zurück nach A.

Bei unserer Reise nach Tibet sind wir von München nach Xining geflogen und später von Kathmandu wieder zurück nach München.

Dadurch sieht man natürlich viel mehr von dem Land, durch das man reist, als wenn man immer wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren müsste – in unserem Fall nach Xining.

Somit mussten wir jedoch vom Base Camp des Mount Everest irgendwie nach Kathmandu kommen. Allein die Aussicht auf eine unserer Lieblingsstädte ließ die Vorfreude auf den letzten Abschnitt dieser Tibetreise ins Unermessliche wachsen.

Durch das Himalaya Gebirge bis nach Nyalam

Im Sommer vor unserer Reise im Oktober gab es an dem Grenzübergang, den wir eigentlich nutzen wollten, eine katastrophale Flut. Selbst Monate später war dieser noch immer gesperrt. Daher leitete uns unsere Travel Agency zum Grenzübergang beim tibetischen Ort Nyalam um.

Nach einer wirklich schönen Fahrt vom Everest Base Camp ging es mitten durch den Himalaya. Wir sahen noch einmal einige beeindruckend hohe Berge, wie zum Beispiel den Shishapangma (8027 m). Je näher wir der nepalesischen Grenze kamen, desto dichter wurden die Wolken am Horizont.

Man konnte erahnen, wie die Luftfeuchtigkeit aus den subtropischen Tälern Nepals aufstieg. In der grenznahen tibetischen Stadt Nyalam verbrachten wir eine Nacht. Viel gibt es über diesen Ort nicht zu sagen. Gern hätte ich hier mehr Zeit verbracht, doch wir mussten am nächsten Tag direkt weiterreisen. Der Ort lag fernab der touristischen Zentren Tibets, wirkte aber sehr authentisch – und zugleich etwas unästhetisch. Doch genau hier fand das wirkliche Leben statt.

Ich fragte mich mehr als einmal, wer diese Region seine oder ihre Heimat nennt. Die Stadt liegt auf tibetischer Seite sehr abgeschieden, auf der anderen Seite beginnt bereits Nepal.

Wir versuchten, ein kleines Restaurant zu finden, wurden jedoch nicht wirklich fündig. Also gingen wir in einen gut sortierten Supermarkt und kauften uns ein paar Nudelsuppen. Mit diesen Instant-Gerichten hatten wir in China allerdings noch nie Glück: geschmacklich entsprachen sie selten unseren Erwartungen.

Grenzerfahrung zwischen Tibet und Nepal

Nach einer recht guten Nacht starteten wir früh aus dem Hotel. Unser Guide Tenzin schenkte uns ein paar wirklich leckere Brötchen – danke dafür 🙏

Noch im Dunkeln verließen wir Nyalam und machten uns auf den Weg durch riesige Baustellen und über enge Bergstraßen zur zunächst noch geschlossenen Grenze.

Dort verbrachten wir einige Stunden mit unseren belgischen Freunden Charlotte und Jonas, bis sich unsere Wege am späten Vormittag nach dem Grenzübertritt nach Nepal trennten.

Der Abschied von unserem Guide Tenzin und Fahrer Bimba war sehr herzlich. Ich glaube, wir sind ihnen ein Stück weit ans Herz gewachsen und sie uns auch. Es ist schade, dass wir diese Menschen wahrscheinlich nie wiedersehen werden. Gern wäre ich mit ihnen in Kontakt geblieben.

Auf der nepalesischen Seite wurden wir von einer PR-Gruppe empfangen: Wir wurden gefilmt, fotografiert und mit Zurufen begrüßt. Spontan entschied ich mich, ebenfalls ein Foto von ihnen zu machen – die Situation war einfach zu skurril. Ich hatte das Gefühl, dass wir zu den wenigen westlichen Reisenden an dieser Grenze gehörten und unsere Anwesenheit für PR-Zwecke genutzt wurde.

Es sei ihnen von Herzen gegönnt.

Ein Weg, der zum Glück nicht enden wollte

Nun hieß es auch, sich von Jonas und Charlotte zu verabschieden. Sie hatten eine eigene Nepalreise vor sich und fuhren zunächst an Kathmandu vorbei. Unser Ziel hingegen war klar: Kathmandu.

Wir freuten uns schon lange darauf, die Stadt nach 2018 wiederzusehen. Sie bedeutet uns viel, war sie doch das Ziel unserer ersten Fernreise. Diese Tibetreise bot uns die wunderbare Gelegenheit, dorthin zurückzukehren.

Schon bald nach dem Grenzübergang trafen wir unseren Fahrer, der uns mit seinem alten Chevrolet nach Kathmandu bringen sollte.

Wir starteten früh, das Tal lag noch im Schatten der umliegenden Berge, und die Sonne kämpfte sich nur langsam hindurch. Weit kamen wir zunächst nicht: Bereits nach wenigen Metern wurden wir an einer Baustelle für etwa eine halbe Stunde aufgehalten.

Hier wurde die Straße gebaut, und die Bauarbeiter versuchten, den Verkehr sicher durch die enge Passage zu leiten. Generell wunderte es mich, wie die großen LKWs mit ihren Anhängern diesen Weg überhaupt bewältigen konnten. Die Strecke durch das Tal bis zur Grenze ist mehr als abenteuerlich – kaum vorstellbar, wie hier Güter transportiert werden.

Nach der Wartezeit ging es endlich weiter. Fast fünf Stunden waren wir unterwegs und legten dabei etwas mehr als 100 Kilometer zurück.

Anfangs führte die Strecke durch wunderschöne Natur stetig bergab: vorbei an kleinen Wasserfällen, durch einsame Dörfer, in denen die Menschen ein einfaches Leben führen. Immer wieder hielten wir an Checkpoints, an denen wir kleine Pausen einlegten – oder uns an nepalesische Toiletten gewöhnten.

Bis hierhin war die Fahrt fast idyllisch. Die Straße war zwar in miserablem Zustand, doch wir genossen den Wandel der Landschaft: Die karge Weite Tibets wich zunehmend sattem Grün. Auch die Menschen entlang der Straße unterschieden sich deutlich von denen in Tibet – in Kleidung, Architektur und Erscheinung.

Mit jedem Kilometer Richtung Kathmandu wurde die Fahrt jedoch anstrengender. Der Verkehr nahm stark zu, die Straßen wurden nicht besser, und unser Fahrer wollte offenbar möglichst schnell nach Hause. Der Linksverkehr wurde dabei eher flexibel interpretiert – überholt wurde auf beiden Seiten.

Irgendein Gott des Hinduismus oder Buddhismus würde schon ein Auge auf uns haben, hofften wir. Zwischenzeitlich hatte ich allerdings eher den Eindruck, dass sich unser Fahrer etwas zu sehr auf diese göttliche Unterstützung verließ.

Ein Wiedersehen mit Kathmandu

Trotz allem erreichten wir Kathmandu nach dieser endlos wirkenden Fahrt. Wir erkannten vertraute Straßen wieder und freuten uns auf diese chaotische, anstrengende, aber zugleich faszinierende Stadt.

Unser Fahrer erhielt ein Trinkgeld – auch wenn seine Fahrweise es nicht unbedingt nahelegte. Dennoch waren wir dankbar, dass er uns sicher von der tibetischen Grenze nach Kathmandu gebracht hatte.

Es war eine besondere Fahrt: langsam, intensiv und voller Eindrücke. Eine Reise, auf der wir das alltägliche Leben der Menschen in Nepal hautnah erleben konnten.

Schon jetzt freuten wir uns darauf, Kathmandu nach sieben Jahren erneut zu entdecken – gespannt darauf, wie sehr sich die Stadt verändert hat.

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