
Eine Tour konnte ich auf meinem Kurztrip noch unternehmen. Allerdings wollte ich an diesem Tag eine recht überschaubare Tour gehen. Einerseits war die Wettervorhersage nicht so prickelnd. Es waren leichte Schauer gemeldet. Andererseits musste ich an diesem Tag wieder in Richtung Heimat fahren und von daher wollte ich nicht erst um 17 Uhr am Auto sein.
Ein paar Touren in der Region rund um Krün / Garmisch-Partenkirchen hatte ich zur Auswahl. Dabei entschied ich mich für die westliche Karwendelspitze. Die Tour schien alles zu besitzen, was ich an Bergtouren schätze: einen Aufstieg in karger Umgebung und natürlich einen schroffen Gipfel mit Panorama.
Von daher fiel die Entscheidung recht schnell auf die westliche Karwendelspitze über den Aufstieg von der Dammkarhütte und dem Dammkar.
Eins vorweg: Es war die perfekte Tour für diesen Tag. Ich hatte ein wunderschönes alpines Erlebnis und habe auf dieser Bergtour nette Menschen kennengelernt.
Durch den Wald zur Dammkarhütte
Wie so oft in dieser Region habe ich die Wanderung im Tal auf ungefähr 900 m gestartet. Als Startpunkt diente die Talstation der Karwendelbahn. Von hier ging es in den dichten Wald. Der Großteil der ersten 700 Höhenmeter verlief relativ unspektakulär, aber dennoch sehr flott im Wald. Regelmäßig schenkte der Weg wunderschöne Ausblicke auf die Felswände des Karwendels sowie auf das Umland mit Wettersteingebirge und Zugspitzmassiv.
Nach ungefähr einer Stunde bin ich an einem wunderschönen Aussichtspunkt angekommen. Hier eröffnete sich zum ersten Mal auf der Tour der unvergessliche Blick auf das Dammkar und die Dammkarhütte. Noch war beides in weiter Ferne gelegen, aber ich war dem schönen Teil der Tour schon näher gekommen.
Ab hier traf ich immer wieder denselben, sehr netten Wanderer. Wir unterhielten uns eine Weile und tauschten uns aus – Dirk und ich hatten das gleiche Ziel. Von daher sollten wir uns im Laufe des Tages noch einige Male wiedersehen.
Nach und nach wurde die Vegetation karger, bis sie kurz oberhalb der Dammkarhütte ganz verschwand und sich die alpine Landschaft vor mir eröffnete.
An dieser Stelle beschloss ich, dass ich die Tour auch zurücklaufen und auf die Talfahrt mit der Seilbahn verzichten würde. Ich war an diesem Tag flott unterwegs, und die Szenerie inmitten des Karwendels war einfach zu schön.
Von daher verschob ich die Apfelschorle in der Dammkarhütte auf den Rückweg und machte mich sofort daran, den teils ungemütlichen Aufstieg durch das Dammkar zu bewältigen.



Schotter, Wind und Regen im Dammkar
In der Vergangenheit habe ich schon viel über das Dammkar gehört, aber ich selbst hatte nicht wirklich eine Vorstellung davon. Letztlich ist es ein riesengroßer Schotterhaufen, der am Ende in einer Scharte endet. Das Gefühl war in diesem Kar wirklich gut – ich fühlte mich wie ein richtiger Alpinist: nur ich und der Fels um mich herum.
Langsam, aber in einem konstanten Tempo schritt ich der Scharte entgegen. Teils war der Weg wirklich steil und der Schotter lose, aber nichts, was man nicht schaffen kann.
An der Scharte angekommen wurde es richtig ungemütlich. Der Wind pfiff mir um die Ohren, und der Regen wirkte dadurch noch einmal stärker. Nach einem kurzen Genuss der Aussicht ging es für mich weiter Richtung Gipfel. Hier hat man die Möglichkeit, durch den Skitunnel zu laufen oder die alte Route zu nutzen.
Ich entschied mich für die alte Route. Leider gab es hier in der nahen Vergangenheit einen Bergrutsch, wodurch die Route fast komplett zerstört war. Ich wunderte mich schon, in welch schlechtem Zustand der Weg war. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass man aktuell eigentlich den Weg durch den Tunnel wählen soll.



Ein stürmischer Besuch auf der westlichen Karwendelspitze
Die letzten Meter zum Gipfel waren pures Vergnügen. Es gab kaum noch Höhenmeter, und der Weg war sehr lohnenswert: schmal, mit toller Bergsicht und doch irgendwie auch abenteuerlich.
Für mich war es der zweite Besuch der westlichen Karwendelspitze. Das erste Mal bin ich jedoch mit der Seilbahn hoch- und heruntergefahren. Heute nahm ich mir vor, hoch- und hinunterzulaufen.
Die Bedingungen auf dem Gipfel waren nicht die besten. Dadurch hatte ich den Gipfel jedoch für mich allein und konnte meine Zeit auf meinem letzten Gipfel dieses Kurzurlaubs noch einmal in vollen Zügen genießen. Ich suchte mir einen halbwegs windgeschützten Ort, sofern das möglich war, und ließ es mir nicht nehmen, meine Brotzeit in Ruhe zu genießen.
Es war abermals ein unvergessliches Gipfelerlebnis. Der eisige Wind wehte mir um die Ohren, ich hatte mir in der Zwischenzeit meine Wintermütze aufgesetzt. Die Regenfelder blieben zum Glück hinter dem Soierngebirge und wurden in Richtung Süden geweht. Die Wetterlage war also nicht die beste, aber es sah nicht nach dauerhaftem Regen aus.
Auch dieser Gipfel bietet ein dankbares Panorama. Auf der einen Seite eröffnet sich der Blick in das felsige Karwendel. Lässt man den Blick um 180 Grad schweifen, sieht man die grünen Hügel und Wiesen im Tal. Am Horizont stehen die Felsriesen des Wettersteins und des Zugspitzmassivs.




Mit Schwung zurück zur Hütte und ins Tal
Schwermütig, aber doch mit ein wenig Eile aufgrund der unklaren Wetterlage, begab ich mich nach meiner Brotzeit auf den Abstieg. Ich war sehr motiviert und freute mich, dass ich auf die Seilbahn verzichtete. Einerseits sparte ich mir so ein paar Euro, der viel wichtigere Punkt war jedoch, dass ich dadurch meine Zeit in den Bergen verlängerte.
Ich freute mich, die schönen Gebirgszüge aus einer anderen Perspektive zu sehen.
Ich entschied mich dazu, einige Passagen locker zu laufen. Einerseits macht das natürlich großen Spaß, und andererseits zieht sich der Abstieg dadurch nicht ganz so sehr in die Länge.
Die erste Passage war etwas heikel, aber hier kam ich gut durch. Durch das Dammkar rutschte und schlitterte ich flotten Schrittes – das hat mir am meisten Spaß gemacht.
Das Versprechen an mich selbst, in der Dammkarhütte kurz einzukehren, löste ich natürlich ein. Hier gab es für mich eine frische Apfelsaftschorle mit einem Ausblick, der unbezahlbar ist. Irgendwann möchte ich unbedingt einmal auf einer Hütte übernachten – ich stelle mir das sehr idyllisch vor.
Der restliche Weg ins Tal verlief unspektakulär. Ich traf unterwegs ein nettes Paar aus dem Rheintal und plauderte ein paar Minuten mit ihnen. Später schlich sich ein kleiner Regenschauer aus westlicher Richtung heran und erwischte mich.
Mit einem flotten Laufschritt ging es weiter ins Tal. Aufgrund des Regens war meine Kamera mittlerweile im Rucksack, und schon bald sah ich mein Auto auf dem Parkplatz der Karwendelbahn.





Was bleibt: Zeit, Ruhe und vier Gipfelblicke
Auch diese vierte und letzte Bergtour innerhalb von fünf Tagen hat mir sehr gefallen. Ich hatte abermals eine unvergessliche Zeit im Gebirge und war gar nicht allzu langsam unterwegs. Insgesamt war ich 5,5 Stunden unterwegs (inkl. Fotopausen, exkl. Zeit auf Gipfel und Hütte). Das empfinde ich als recht flott, schließlich war dies die Zeit, die am Ausgangspunkt im Tal nur für den Aufstieg zum Gipfel der westlichen Karwendelspitze angegeben war.
Aber letztlich geht es bei solch einer Bergtour ja nicht darum, der Schnellste zu sein. Viel wichtiger ist es, die Zeit am Berg zu genießen – und das konnte ich. Ich lief eine tolle Tour, sah eine wunderschöne Landschaft, traf nette Menschen und konnte aufgrund meiner aktuellen Fitness die ganze Tour rundum genießen.
Die Tour werde ich auf jeden Fall noch einmal laufen. Bis dahin freue ich mich darauf und hoffe, dass ich davor noch einmal das Karwendellicht im Dunkel der Nacht beobachten kann.




