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Gipfelbuch: Meine zweite Besteigung der Soiernspitze

Es war wieder so weit: Ich konnte in meine zweite Heimat, meine Wahlheimat oder einfach in meinen Sehnsuchtsort fahren.

Für ein paar Tage habe ich die Möglichkeit, in den Alpen unterwegs zu sein und ein bisschen zu wandern. Anfangs sah das Wetter sehr gut aus, mittendrin auf einmal sehr schlecht und aktuell sieht es wieder nicht so schlecht aus. Wahrscheinlich werde ich vier verschiedene Wandertouren unternehmen können und freue mich sehr auf die kommenden Tage.

Heute habe ich das Pflichtprogramm erfüllt und bin zum zweiten Mal in meinem Leben auf die Soiernspitze im Karwendel gestiegen.

Ein Blick zurück in die Vergangenheit

In diesem Blogpost habe ich darüber geschrieben, warum die Soiernspitze im Karwendel für mich ein sehr besonderer und emotionaler Berg ist. Im Jahr 2021 hatte ich keine besonders gute Sicht; eigentlich sah ich nur Nebel und Fels. Aber dennoch war es für mich eine wunderbare Tour.

Heute sah es ganz anders aus: Im Radio hörte ich, dass die Wetterprognose für diesen Samstag relativ perfekt sein sollte. Es waren im Tal hitzige 25 °C und auf dem Berg wehte ein erfrischender Wind bei ungefähr 20 °C und leichter Bewölkung. Es war einfach wunderschön. Heute hatte ich nun die Möglichkeit, das ganze Panorama zu genießen.

Ankommen, schlafen, loswandern

Relativ spontan entschied ich mich, in die Alpen zu fahren. Somit buchte ich mir einen Stellplatz auf einem überfüllten Campingplatz und fuhr am Freitagnachmittag in Richtung Süden. Spät am Abend kam ich auf dem Campingplatz an und versuchte, noch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen, bevor kurz nach 5 Uhr der Wecker klingeln sollte.

Brötchen, Snickers und die ersten Höhenmeter

Wie so oft fängt der frühe Vogel den Wurm. So ist es natürlich auch beim Bergwandern. Mein Wecker klingelte kurz nach 5 Uhr und kurz vor 6 Uhr machte ich mich auf den Weg zum Wanderparkplatz. Hier packte ich schnell meinen Rucksack mit dem Wichtigsten, wie Sonnenschutz, Essen, Trinken, ein paar zusätzlichen Klamotten und meiner Kamera.

Und schon ging es los. Die Sonne war gerade aufgegangen und die Natur wirkte im Licht der aufgehenden Sonne idyllisch. Es war einfach wunderschön.

Während des ersten Teils der Wanderung habe ich mein Abendessen des Vortages als Frühstück gegessen. Dieses Menü in Form eines belegten Brötchens wurde durch ein Snickers abgerundet und so hatte ich genügend Energie für den ersten, recht nervigen Teil der Wanderung.

Wie so oft im Leben hieß es: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Die ersten Stunden lief ich direkt bergauf; oft ging es relativ senkrecht zu den Höhenlinien. Aber so gewinnt man desto schneller an Höhe und ist dort, wo es schön ist.

Allein im besten Morgenlicht

Und nach deutlich weniger Zeit, als unten im Tal auf dem Wegweiser ausgeschildert war, kam ich endlich am Signalkopf an und vor mir breitete sich ein wunderschönes alpines Panorama aus. Es war einfach wunderschön. Ich war hier der einzige Mensch weit und breit und hatte die ganze Landschaft im allerbesten Morgenlicht für mich allein.

Nach einer kleinen Fotopause machte ich mich auf den Weg in Richtung Abzweig zur Schöttlkarspitze. Hier oben bin ich schon mehrmals gewesen, entweder als ich eine Tour abbrach oder nur zur Schöttlkarspitze lief. Heute sollte es weiter in Richtung Soiernspitze gehen.

Viele Teile des Weges erkannte ich wieder und schon vor ein paar Jahren traf ich auf allerhand Gämsen in dieser Region des Soierngebirges; so auch heute. So früh am Morgen bedienten sie sich am Buffet des saftigen, grünen Grases und schauten mir ganz entspannt entgegen.

Ich lief weiter und weiter durch diese sattgrüne Landschaft und freute mich, hier sein zu dürfen. Es war ein Moment voller unendlicher Dankbarkeit für mich. Die Sonne schien wunderschön, kleine Wolken verzierten den ansonsten blauen Himmel und die felsigen Berge glänzten mit ihrer Anwesenheit. Schließlich bin ich wegen ihnen hier.

Nach und nach veränderte sich die Landschaft: Aus dem satten und fast lieblichen Grün wurde ein gefährlich anmutendes Grau. Genau diese schroffe Gebirgslandschaft trifft meinen Geschmack. Nach zwei Stunden in dieser schönen Landschaft ging es in den kurzen Gipfelanstieg und schneller als gedacht stand ich auf meinem kleinen Schicksalsberg oder anders formuliert: auf dem Gipfel, den ich nur von Erzählungen aus meiner Kindheit kannte.

Wolken schauen auf der Soiernspitze

Das Besondere an der Soiernspitze ist, dass der Berg auf der einen Seite unbesteigbar aussieht, auf der entgegengesetzten Seite jedoch ein einziger Grashügel ist. Somit bietet er gerade in diesem Bereich viel Platz, um in der Wiese zu liegen und die gegenüberliegenden Gipfel des Karwendels mit der östlichen Karwendelspitze und der Hochkarspitze zu betrachten.

Auf der anderen Seite fiel mein Blick, der nach solch einer Tour nicht befriedigender sein könnte, auf die Schöttlkarspitze und auf die im Soiernkessel gelegenen Soiernseen.

Ich ließ es mir auf dem Gipfel sehr gut gehen. Insgesamt verbrachte ich 90 Minuten damit, die Wolken zu beobachten, die felsigen Gipfel des Karwendels zu betrachten und einfach nur in der Wiese zu liegen. So habe ich mir eine perfekte Bergtour vorgestellt: Zeit für den Gipfel zu haben.

So habe ich es mir schon oft vorgestellt, aber irgendwie hat man oftmals, bedingt durch das Wetter oder andere Faktoren, den Zeitdruck im Nacken sitzen und lässt sich nicht ganz so viel Zeit.

Weiter zum nächsten Aussichtspunkt: Die Schöttlkarspitze

Doch irgendwann hieß es auch für mich Abschied nehmen. Jedoch wusste ich, dass noch ein Highlight auf mich wartete. Einen Großteil des Hinwegs lief ich auch wieder zurück, bevor der Weg zum Wallgauer Hausberg rechts abbog.

Die ersten Meter haben es rein optisch wirklich in sich. Der Weg schlängelt sich teils steil und sandig bergab. Links und rechts des Weges stehen bizarre Felsformationen. Durch den teils durchaus schmalen Weg habe ich mir während meiner ersten Besteigung vor Jahren durchaus Gedanken gemacht, ob ich auf dem Gipfel ankommen würde.

Bei dieser Wanderung war es für mich jedoch überhaupt kein Problem. Hier sieht man, wie man selbst an seinen Aufgaben wachsen kann und die erworbenen Kompetenzen für eine lange Zeit erhalten bleiben.

Auf der Schöttlkarspitze legte ich lediglich eine kurze Pause ein. Der Star dieses Gipfels ist eindeutig der sich vor einem erstreckende Soiernkessel mit seinen zwei Seen.

Immer wieder schweiften meine Erinnerungen beim Betrachten der Landschaft zu einem Abenteuer zurück, das ich vor vielen Jahren erlebte. Damals wanderten ein Freund von mir und ich im März zu den Soiernseen. Hier erlebten wir ein paar schöne Tage und leider gelang es uns nicht, die Schöttlkarspitze zu besteigen, weil der Schnee für uns unerfahrene Nasen einfach noch zu hoch war. Dennoch hatten wir eine wirklich tolle Zeit in dieser Region erlebt. Ein Abenteuer, das ich nicht vergessen werde.

Eine kalte Spezi im Soiernhaus

Da ich noch vor 18 Uhr beim Campingplatz sein musste, machte ich mich so langsam auf den Weg. Der Weg schlängelte sich anfangs in Richtung Soiernhaus. Nach und nach verschwindet das Kar und die Landschaft wird wieder grüner.

Am Soiernhaus angekommen, bestellte ich mir eine gekühlte Spezi. Ich genoss die Aussicht und dachte mir, dass diese Hütte die perfekte Hütte für eine erste Hüttenübernachtung wäre.

Mit dem Zucker der Spezi im Körper ging es relativ flott über die Fuhrstraße zurück nach Wallgau. Hier hatte ich vor acht Stunden mein Auto geparkt und war nach den fast 30 Kilometern mit ca. 1900 Höhenmetern wirklich froh, die letzten Kilometer zum Campingplatz fahren zu können.

Warum ich immer wieder zurückkomme

Ich liebe das kleine Soierngebirge. Einerseits ist es vielleicht die nächstgelegene alpine Landschaft zu meiner Haustür und auf der anderen Seite ist es eine Region, die durch meine Kindheit sehr positiv geprägt wurde. Dadurch fühle ich mich eigentlich immer gut, wenn ich hier bin.

Und die Wanderung ist wirklich lohnenswert. Klar, man kann sie nicht mit Wanderungen in Tibet oder in der Region rund um den Mont Blanc vergleichen. Aber hier ist es wirklich schön: Auf dieser kleinen Wanderung kann man wunderschöne Almwiesen genießen, durch eine alpine Topografie kraxeln und aus der Ferne die hochalpinen Passagen des Karwendels bestaunen.

Aus diesem Grund zieht es mich immer wieder zu dieser Wanderung, ohne dass sie mir langweilig wird. Ich hoffe, dass ich dieses kleine Abenteuer noch mehrmals genießen kann.

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