Seit ein paar Jahren haben wir unsere Reisen so verändert, dass wir oft eine Rundtour unternehmen. Das heißt, wir buchen einen sogenannten Gabelflug: Wir fliegen von A nach B und später von C wieder zurück nach A.
Bei unserer Reise nach Tibet sind wir von München nach Xining geflogen und später von Kathmandu wieder zurück nach München.
Dadurch sieht man natürlich viel mehr von dem Land, durch das man reist, als wenn man immer wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren müsste – in unserem Fall nach Xining.
Somit mussten wir jedoch vom Base Camp des Mount Everest irgendwie nach Kathmandu kommen. Allein die Aussicht auf eine unserer Lieblingsstädte ließ die Vorfreude auf den letzten Abschnitt dieser Tibetreise ins Unermessliche wachsen.
Nun war es endlich so weit. Wobei ich das Everest Base Camp in meinen Gedanken gar nicht als das Highlight dieser Reise sehen wollte. Vielmehr war es der Roadtrip durch das faszinierende Tibet. Ein Land, das nur von wenigen Menschen bereist wird und werden kann.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich das Buch „Sieben Jahre in Tibet“ zum zweiten Mal gelesen, und viele der Orte, die wir besuchten oder an denen wir vorbeifuhren, hatten auch Heinrich Harrer und Peter Aufschnaiter gesehen – damals unter völlig anderen Bedingungen, in einer Zeit, in der die großen Expeditionen zum höchsten Berg unserer Erde, dem Mount Everest, stattfanden.
Ich genoss jeden Moment viel zu sehr, um sagen zu können, dass ausgerechnet dieser Tag das Highlight der Reise werden sollte. Dennoch war ich in der Vorbereitung sehr aufgeregt gewesen, wie das Wetter vor Ort sein würde. Ich hatte Fotos gesehen, auf denen man aufgrund des Nebels nicht erkennen konnte, ob man sich in Dänemark, in den Alpen oder im Himalaya befand.
Hätten wir solches Wetter gehabt, wäre ich wohl dennoch enttäuscht gewesen, denn ganz ohne Sicht auf den Everest wollte ich Tibet dann doch nicht verlassen.
Dieses Problem sollten wir an diesem Tag jedoch nicht haben. Als ich das Fenster unseres Hotelzimmers in Shegar öffnete, schien die Sonne zwar noch nicht, doch am Himmel war keine einzige Wolke zu sehen. Die klare Luft ließ die Kälte der Atmosphäre deutlich spüren.
Somit hatten wir die besten Voraussetzungen, um an diesem Tag den höchsten Gipfel unseres Planeten bei bestem Wetter bestaunen zu können.
Am Abend des Vortages kamen wir erst nach Sonnenuntergang in Shigatse an. Hinter uns lag ein langer Reisetag, an dem wir früh am Morgen in Lhasa aufgebrochen waren, um die phänomenale Aussicht auf den Yamdrok-Yumtso-See zu genießen und im Laufe des Tages einen ersten Eindruck davon zu bekommen, wie es sich anfühlt, im Himalaya unterwegs zu sein.
Entsprechend müde waren wir, als wir unser Zimmer – oder besser gesagt unsere kleine Wohnung – in Shigatse bezogen. Unser Wunsch war denkbar schlicht: noch etwas Leckeres zu essen und uns zu erholen.
Zu diesem Zeitpunkt wussten wir allerdings noch nicht, dass sich dieser Wunsch nach einem guten Abendessen nicht erfüllen würde. Ebenso ahnten wir nicht, dass uns am nächsten Tag ein Besuch im Kloster Tashi Lhunpo erwartete – gemeinsam mit der wohl bedeutendsten geistlichen Persönlichkeit dieser Region: dem Panchen Lama.
Die letzten Tage, die wir in Xining und Lhasa verbracht haben, haben uns oder besser gesagt ‚mich‘ tief beeindruckt. Wir sind in einer Welt angekommen, die ich bisher nur aus Büchern sowie aus Reise- und Abenteuervorträgen kannte. Und nun bin ich selbst genau auf diesem Teil unseres Planeten unterwegs.
Bereits in der Region rund um Xining merkten wir, dass wir uns in einer völlig anderen Welt befanden, als wir es von zu Hause gewohnt sind und auch anders, als wir es vielleicht erwartet hatten. Schon in der chinesischen „Kleinstadt“ bewegten wir uns fernab vom Mainstream-Tourismus und waren als westliche Reisende echte Exoten. Mehr als einmal wurden wir gefragt, ob man ein gemeinsames Foto mit uns machen dürfe. Während unserer Tage in Xining begegneten wir kaum anderen westlichen Menschen und erhielten schon hier einen intensiven ersten Einblick in die tibetische Kultur.
In Lhasa sollte sich diese Situation zunächst etwas verändern: Hier waren zahlreiche Touristinnen und Touristen aus nahezu allen Teilen der Welt unterwegs. Und doch waren wir nun im wirklichen Tibet angekommen. Genauer gesagt: Wir sind nun in der ehemals verbotenen Stadt Lhasa. Das war überall spürbar. Wir waren umgeben von Symbolen, Düften, Menschen und Klängen, die wir bislang nur von Erzählungen kannten.
Wir waren endlich in Tibet und unsere Reise durch einen winzigen Teil dieses riesigen Landes konnte nun beginnen. Bereits auf der ersten Etappe erwarteten uns zahlreiche Highlights: der Yamdrok-See, der Gletscher des Mount Nyechen Kangsar, unvergessliche Bergpanoramen und der Besuch eines eindrucksvollen Klosters.
Inzwischen sitze ich an einem gemütlich-ungemütlichen Novembernachmittag auf der Couch. Auf dem Fernseher knistert ein kitschiges Kaminfeuer, aus den Lautsprechern der alten Stereoanlage erklingen ruhige Jazz-Klänge. Währenddessen lädt das erste Video der Reise über die Internetleitung hoch – und draußen wird es langsam dunkel.
Dieses Jahr war wirklich verrückt und für Menschen mit lediglich 30 Tagen Urlaub im Jahr auch ziemlich intensiv. Daher bietet es sich am Jahresende eigentlich an, das Jahr Revue passieren zu lassen. Wäre da nicht die Reise-Nachbereitung unserer letzten Tour.
Unser Rückflug von Dublin nach Berlin sollte erst am Nachmittag um 15.35 Uhr starten. So hatten wir an diesem Tag bis etwa 13 Uhr Zeit, noch ein paar Orte in der Nähe des Flughafens zu entdecken.
Trotz des wirklich schlechten Wetters wollten wir das natürlich nicht ungenutzt lassen. Unser Ziel war es, kleine Dörfer mit malerischen Häfen zu finden. Deshalb verabschiedeten wir uns schon früh von unserer Wohnung in Malahide und machten uns mit dem kleinen, vollgepackten Mietwagen auf die Suche nach typisch irischen Dörfern.
Nachdem wir uns an unserem verlängerten Wochenende in Irland schon allerhand angesehen hatten, entschieden wir uns, noch nach Kilkenny zu fahren. Wir stellten uns eine hübsche irische Stadt vor, die an ein vergangenes, gemütliches Irland erinnert.
Und keine Sorge: Genau das haben wir auch bekommen. Kilkenny zeigte sich uns als eine wirklich schöne Stadt. Auch wenn wir erneut einige Kilometer von Malahide in diese charmant altmodische Stadt fahren mussten, hat sich der Weg dorthin mehr als gelohnt. So verabschiedete sich Irland für uns noch einmal ganz klischeehaft – und genau so, wie wir es uns erhofft hatten.
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