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Gipfelbuch: Über die Pleisenhütte auf die Pleisenspitze

Die beiden letzten Touren mit insgesamt ungefähr 3200 Höhenmetern spürte ich am Vortag noch deutlich. Ich bin ganz ehrlich: An diesem Tag wäre ich nicht in der Lage gewesen, irgendeinen Berg in einer passablen Zeit zu besteigen. Deshalb gönnte ich mir einen Ruhetag mit Eis und Shopping. Am Ende des Tages hatte ich trotzdem mehr als 10.000 Schritte zurückgelegt und fühlte mich weiterhin überhaupt nicht fit.

Umso mehr freute ich mich, als ich am Morgen meiner Wanderung auf die Pleisenspitze mit recht guten Beinen aufwachte. Ich war tatsächlich überrascht, dass mein Muskelkater so schnell größtenteils verschwunden war.

Also packte ich meine sieben Sachen in den Rucksack, aß meine Brötchen vom Vortag zum Frühstück und verließ den Campingplatz in Krün, sobald die Schranke geöffnet wurde.

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: An diesem Tag wartete abermals eine unvergesslich schöne Bergtour auf mich. Als ich in Scharnitz ankam, hieß es deshalb: Schuhe anziehen, Rucksack auf den Rücken und los ging es in Richtung Gipfel.

Von Scharnitz bis zur Pleisenhütte

Im Wanderführer ist die Wanderung zur Pleisenspitze als einfach, aber sehr lang beschrieben. Der Hinweg ist ungefähr zehn Kilometer lang und überwindet knapp 1600 Höhenmeter.

Gerade der Abschnitt bis zur Pleisenhütte ist sehr einfach. Anfangs folgt man noch der geteerten Straße in Richtung Isarursprung. Nach etwa 20 Minuten zweigt der Wanderweg nach links ab und von hier an geht es nur noch bergauf. Nach und nach wird aus der Straße eine immer schlechtere Forststraße.

Endlich Felsen statt Forststraße: Nun geht es auf die Pleisenspitze

Sobald man die Hütte erreicht hat, wird auch der Weg etwas schöner. Das heißt jedoch gleichzeitig, dass es von hier an steiler wird. Der Pfad schlängelt sich durch das unwegsame Gelände. Die Bergkiefern werden schnell weniger und bald hat man nur noch Wiesen und Felsen um sich herum.

Im letzten Teil des Weges zum Gipfel ist der Pfad überwiegend durch Geröll geprägt. Genau dieser Abschnitt der Wanderung hat mir sehr gefallen. Mit jedem gewonnenen Höhenmeter wird die Sicht auf die umliegenden Berge schöner und neue Panoramen eröffnen sich. Von hier an kann man den Weg in vollen Zügen genießen.

Immer wieder hat man einen wunderbaren Blick auf den Gipfel. Ich konnte erkennen, dass sich dort nur eine Person befand. Wenige Minuten später kam mir dieser Mann entgegen. Wir unterhielten uns kurz und lobten beide das Wetter und das Leben in den Bergen. Er verriet mir, dass niemand mehr auf dem Gipfel sei und ich ihn für mich allein haben würde. Über diese Nachricht freute ich mich natürlich sehr.

Drei Stunden allein auf der Pleisenspitze

Die letzten Meter zum Gipfel waren schnell zurückgelegt und tatsächlich war ich allein. Es war wunderschön. Ich wusste, dass lediglich eine Frau hinter mir war und ich war mir sicher, dass sie frühestens in einer Stunde ankommen würde. Deshalb filmte ich schnell etwas, schoss ein paar Fotos und widmete mich danach ganz dem Genießen.

Als Erstes packte ich meine Brotzeit aus und genoss die einfache Kost bei dieser wunderschönen Aussicht auf die verschiedenen Gebirgszüge des Karwendels.

Als ich fertig war, machte ich es mir bequem. Warm eingepackt ließ ich meinen Blick zwischen den vorbeiziehenden Wolken und den felsigen Gipfeln schweifen. Dabei gingen mir die verschiedensten Gedanken durch den Kopf.

Ich fragte mich zum Beispiel, warum es mich immer wieder in die Ferne zieht, etwa nach Nepal, Japan oder Peru, obwohl das Schöne doch so nah liegt. Was braucht es mehr als gutes Wetter, einen Berg und zwei gesunde Füße? Das müsste doch eigentlich völlig ausreichen. Aber vielleicht reicht es eben doch nicht und die Abenteuerlust wird nur gestillt, wenn man die nötige Abwechslung hat. Muss ich meine Abenteuerlust überhaupt stillen? Oder ist es einfach eine egoistische Form der Befriedigung?

Schließlich ähneln diese Berge doch ganz grob auch einer Wüste. Vielleicht haben diese beiden Landschaften mehr gemeinsam, als man anfangs denken mag. Beide Landschaften sind für Tiere und Pflanzen lebensfeindlich, Zivilisation findet man hier nur vereinzelt und für viele Menschen wird es recht unangenehm, sobald sie sich durch diese Landschaften bewegen.

Ja, ich fragte mich auf jeden Fall, warum ich nicht einfach wie früher drei Wochen durch die Alpen reise und einen Gipfel nach dem anderen besteige. Ich denke jedoch, dass diese Zeit des Fernreisens irgendwann abebbt. Dann werde ich wieder häufiger durch die Alpen reisen.

Mein nächster Gedanke kreiste um die Frage, warum so viele Menschen die grauen Felsriesen als so schön empfinden. Denn streng genommen stehen sie doch einfach nur herum und versperren uns den Blick bis zum Horizont. Aber vielleicht sind gerade dieses trotzige Herumstehen, das Gefühl, sich auf die Berge verlassen zu können und die gewisse Spannung der Grund dafür. Schließlich weiß man nie genau, was sich hinter ihnen befindet.

Und so verbrachte ich über drei Stunden auf dem Gipfel der Pleisenspitze. Im Wechsel philosophierte ich mit mir selbst, ließ meinen Blick über die Berge schweifen oder döste für ein paar Minuten mit geschlossenen Augen.

Es war eine wirklich unbeschreiblich schöne Zeit auf dem Gipfel. Ich wusste, dass ich innerhalb von gut zwei Stunden wieder im Tal sein würde. Bereits nach einer Stunde würde ich eine halbwegs befestigte Forststraße erreichen. So konnte mir selbst das Wetter keinen Strich mehr durch die Rechnung machen.

Ich hatte genügend Zeit. Also nahm ich sie mir und gönnte mir diese wertvollen Stunden.

Der Gipfel geht, der Kuchen kommt

Ja, irgendwann war es so weit: Nach über drei Stunden raffte ich mich auf und überredete mich, nun doch endlich in Richtung Tal zu laufen. Ich verabschiedete mich von der Pleisenspitze. In Gedanken hoffte ich, dass dies nicht mein letztes alpines Erlebnis in diesem Jahr sein würde.

Der Abstieg bis zur Pleisenhütte war sehr schön. Der Pfad war schmal und unwegsam. Genau so gefällt es mir. An der Pleisenhütte angekommen, blieb der Gönnungsmodus aktiv. Ich bestellte mir ein Stück Marillenkuchen und eine Apfelsaftschorle.

Der Hüttenwirt war sehr nett und wir fanden direkt einen Draht zueinander. Ich genoss das Stück Marillenkuchen, mein Körper freute sich über die kühle Apfelsaftschorle und über die wunderbare Aussicht auf die Berge brauche ich eigentlich gar nicht zu schreiben. Ich würde mich hier nur wiederholen.

Gestärkt ging es weiter in Richtung Tal. Der Weg wurde breiter, der Wald dichter und schattiger. Wieder einmal wunderte ich mich, wie weit ich doch gelaufen war. Ich hatte diesen Weg durch den Wald gar nicht so lang in Erinnerung, wie er mir auf dem Rückweg vorkam.

Mein Fazit zur Pleisenspitze

Nach einer weiteren Stunde kam ich an meinem Auto auf dem Parkplatz an. Ich packte meinen Rucksack ins Auto, wusch mir an den Sanitäranlagen des Parkplatzes die mit Sonnencreme verklebten Hände und Arme und freute mich rückblickend über diese wunderbare Tour.

Die Tour hatte mich so sehr bewegt, dass ich diesen Blogpost noch am selben Tag schrieb. Während ich auf dem Campingplatz sitze, ist mein Blick konzentriert auf das Display gerichtet. Ab und zu sortiere ich meine Gedanken und schaue auf das Karwendellicht, das ich von Weitem sehe.

Jetzt freue ich mich darauf, gemütlich in meinem Auto einzuschlafen. Vielleicht träume ich ja von dieser Tour? Vielleicht kann ich den Traum, den ich auf dem Gipfel hatte, fortsetzen.

Eins ist sicher: Die Pleisenspitze merke ich mir als wirklich lohnenswerte Tour.

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