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Ein Roadtrip durch Tunesien: Tozeur – Menschen, Canyons, Ziegelsteine und fast in Algerien

In der Planung dieser Reise mussten wir uns festlegen, an welchem Ort wir etwas mehr Zeit verbringen wollten. Der erste Gedanke war: „Natürlich auf jeden Fall in der Sahara.“ Seit meinem ersten Wüstenabenteuer ist es einer meiner Wünsche, einen ganzen Tag in der Wüste zu entspannen. Einfach die Ruhe und das Nichts zu genießen. Die meisten Camps haben denselben Tagesablauf: am Nachmittag ankommen, eine bezahlte Tour mit dem Camp unternehmen, Abendessen, schlafen gehen und am nächsten Tag wird das Camp nach dem meist recht einfachen Frühstück wieder verlassen.

Rückblickend bin ich natürlich sehr froh, dass wir in dem Camp, das wir uns in Tunesien herausgesucht hatten, keinen ganzen Tag geblieben sind. In diesem Camp war einfach zu viel los.

Unsere Wahl fiel auf Tozeur und ich bereue es unter keinen Umständen. Die Stadt entsprach komplett meinen Erwartungen. Sie hat eine wunderbare Medina, liegt direkt neben beziehungsweise in einer Oase und hat einen sehr schönen Vibe.

Von daher kann ich auch dir empfehlen, ein paar Tage Tozeur deine Heimat zu nennen. Hier gibt es wirklich viel zu entdecken.

Chott el-Djerid: Zwischen Salzkruste, Fata Morgana und Wüste

Schon die Anreise in das Land der Oasen war es wirklich wert, gefahren zu werden. Ein Highlight des Roadtrips war der Chott el-Djerid. Der riesige Salzsee am Rand der Wüste ist auf Google Maps noch als blauer Binnensee dargestellt. Sobald man jedoch auf die Satellitenansicht wechselt, verwandelt sich der unvorstellbar große Salzsee in einen einzigen braun-grauen Fleck.

Schon Karl May ließ seine Abenteuer in dieser Region spielen. Seine Protagonisten erleben auf dem Salzsee Chott el-Djerid wilde Abenteuer. Diese Abenteuer ähneln Berichten von Reisenden, die ihre Erfahrungen beim Überqueren des vermeintlich trockenen Salzsees gemacht haben. So sind teilweise ganze Karawanen auf der tückischen Oberfläche eingebrochen und im darunterliegenden Schlamm versunken.

Während der französischen Kolonialzeit wurde eine dammartige Piste aufgeschüttet, die Tozeur mit Kebili verband. Lange Zeit war diese Strecke jedoch nicht zuverlässig passierbar. Erst 1979 entstand hier eine asphaltierte Dammstraße, die ganzjährig befahren werden kann. Dadurch ist es heutzutage kein wirkliches Abenteuer mehr, den Salzsee zu überqueren.

Dennoch empfand ich es als ein wirklich lohnenswertes Erlebnis, kilometerweit über die Straße zu fahren, die den Salzsee durchquert. Immer wieder waren wir hier zum ersten Mal in unserem Leben von den Fata Morganas überrascht. Es sah wirklich so aus, als ob wir auf eine Wasseroberfläche zufahren würden. Dabei waren es nur die starken Luftspiegelungen am Horizont. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, wie die Menschen in früheren Zeiten von falschen Hoffnungen in die falsche Richtung gezogen wurden.

Ungefähr in der Mitte der Straße, die den See überquert, finden sich zwei Souvenirstationen. Einerseits kann man dort Getränke und Salz zu hoch angesetzten Preisen kaufen. Andererseits haben die Shopbesitzer oder Shopbesitzerinnen sehr schöne Skulpturen aus Sand gebaut, die ein dankbares Fotomotiv abgeben.

Die Kehrseite dieser atemberaubenden Landschaft ist natürlich, dass wir ab Douz immer wieder auf kleine Gruppentouren stießen. Hier war der Tourismus, den wir in den südlicheren Teilen Tunesiens gesucht, aber nicht vermisst hatten. Dennoch bewegt sich auch hier der Tourismus auf einem sehr niedrigen und angenehmen Niveau.

Spannend fand ich, dass man wohl neben der Straße noch heute die Palmwedel sehen kann, die früher in die Salzkruste gesteckt wurden. An ihnen orientierten sich über Jahrhunderte hinweg Wanderer, Kameltreiber und später sogar Autofahrer. So wurde der Weg durch diese besondere Landschaft überhaupt erst möglich. Leider habe ich während der Reise nicht darauf geachtet. Diesen Nice-to-know-Fakt habe ich erst während der Recherche für diesen Blogpost erfahren.

Tozeur: Eine Stadt mit ganz eigenem Vibe

Nach der wirklich schönen Fahrt über den fast 200 Kilometer langen und 70 Kilometer breiten ausgetrockneten Salzsee Chott el-Djerid kamen wir im besten Licht in der Oasenstadt Tozeur an.

In dieser Region Tunesiens gibt es unzählige größere und kleinere Oasen. Auch die Provinzhauptstadt Tozeur liegt in solch einer Oase. Auf den ersten Blick hat die quirlige Stadt nur noch wenig mit einer Oase im eigentlichen Sinne zu tun. Auf den zweiten Blick sieht man jedoch, dass die Oase noch am Ortsrand besteht.

Tozeur hat seinen ganz eigenen Charme, der hauptsächlich durch die wunderschöne Medina geprägt ist. Das Besondere an der Altstadt von Tozeur ist, dass die Häuser alle mit regional gebrannten kleinen Ziegeln verkleidet sind. Jeder Ziegelstein wurde in Handarbeit hergestellt.

Als wir unsere Unterkunft gefunden hatten, ging es für uns natürlich als Erstes in die kleine Medina von Tozeur. Ich empfehle auch dir, eine Unterkunft in der Nähe der Altstadt zu nehmen. Wir hatten hier die wohl schönste Unterkunft. Sie war wunderschön eingerichtet und hatte eine traumhafte Dachterrasse beziehungsweise einen riesigen Balkon.

Ich erinnere mich an einen Abend, an dem wir spät auf dem Balkon lagen, den Geräuschen der Stadt lauschten und die Sterne beobachteten. Es war einfach wunderschön. Hier erlebte ich den Moment, den ich eigentlich in der Wüste erleben wollte. Aber es war genau richtig, dass ich diesen besonderen Moment der Reise in dieser tollen Stadt erlebt habe.

Der besondere Zauber von Tozeurs Altstadt

Die Medina von Tozeur, Ouled el-Hadef, ist nicht mit der Altstadt von Tunis zu vergleichen. Sie ist viel kleiner und offener. Die Häuser und Mauern sind alle mit den lokalen, kleinen Ziegelsteinen verkleidet. Hier leben wirklich noch Menschen in der Medina. Am frühen Morgen laufen sie durch die Gassen, um in die Schule zu gelangen oder ihre Besorgungen zu erledigen.

Wenn man mit offenen Augen durch die Altstadt läuft, sieht man viele kleine Läden, in denen die Einwohner von Tozeur ihre Einkäufe erledigen. Man trifft jedoch ebenfalls auf ein paar sehr schöne Souvenirläden, Cafés und Restaurants.

Wie ich schon geschrieben habe, hat die Stadt ihren ganz eigenen und unverwechselbaren Charme. Mir hat Tozeur sehr gefallen und für mich ist es ein richtiger Herzensort geworden.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass wir auf einem unserer abendlichen Spaziergänge Abdul kennengelernt haben. Er ist Besitzer eines kleinen Teppichladens und wollte einfach mit uns sprechen. Er wollte sein Deutsch und Englisch trainieren und war wirklich daran interessiert, sich mit uns auszutauschen. Ich habe ihn an den darauffolgenden Tagen noch mehrmals getroffen und immer quatschten wir mindestens 30 Minuten über das Leben in Tunesien und die Unterschiede zu Deutschland. Es war eine wirklich sehr interessante und schöne Zeit mit ihm.

Ebenfalls werden mir meine morgendlichen Photowalks durch die Altstadt in Erinnerung bleiben. Am frühen Morgen war lediglich auf dem kleinen und überschaubaren Markt etwas zu sehen. Der Rest der Medina war nahezu leer. Ich versuchte, mit meiner Kamera die schöne Lichtstimmung einzufangen und auf die wenigen Menschen zu warten, die durch die Gassen liefen. Für mich waren dies Momente, in denen ich sehr gut entspannen konnte. Es gab quasi nicht viel zu sehen und ich musste mich darauf konzentrieren, die kleinen Momente und Details wahrzunehmen.

Das heißt, ich war sehr langsam unterwegs, habe mich an den Straßenrand gesetzt und die Szenerie vor mir auf mich wirken lassen. Die Menschen haben mich gesehen, mich gegrüßt und mich irgendwann gar nicht mehr beachtet. So hatte ich die Chance, das ein oder andere wirklich schöne Foto von ihnen aufzunehmen.

Von daher kann ich die im April recht unscheinbare, aber dennoch wunderschöne Medina von Tozeur wirklich empfehlen. Ich bin mir sicher: Wenn sich die Möglichkeit ergibt, werde ich an diesen Herzensort zurückkommen.

Die kleinen Ziegel und die große Arbeit dahinter

Auf irgendeinem Blog habe ich in der Vorbereitung der Reise gelesen, dass man in der Nähe der Stadt eine Briqueterie, also eine Ziegelbrennerei, besuchen kann. Die Bilder, die ich dort gesehen hatte, sahen sehr interessant aus. Außerdem hatte ich während der Vorbereitung ein Video von Lucas Winke gesehen, der solch eine traditionelle Ziegelbrennerei in Afghanistan besucht hatte. Von daher versuchte ich direkt im Anschluss, eine solche Ziegelbrennerei auf Google Maps zu finden.

Gesagt, getan und gefunden. Wenige Wochen nach der Suche startete ich den Mietwagen in Tozeur und auf ging die kurze, aber durchaus abenteuerliche Fahrt zur Briqueterie von Tozeur. Die Straße wurde immer schmaler, irgendwann verließ uns der Asphalt unter den Rädern und die Straße wurde zum Weg.

Auch die Umgebung sah alles andere als touristisch aus. Die Häuser waren verschwunden, hier und da stand eine verfallene Hütte. Überall waren kleine, jedoch ebenso verfallene Türme zu sehen und nichts machte den Eindruck, als könnte hier eine Ziegelbrennerei stehen.

Am Ende des Geländes stoppten wir und schauten uns um. Tatsächlich entdeckten wir nun die kleinen Ziegel, aus denen die ganze Medina von Tozeur bestand. Die Ziegel lagen auf dem Boden und trockneten.

Wir liefen über das Gelände und schon bald konnten wir die Türme deuten. Diese verfallenen Gebäude sind die Brennöfen. Sie werden mit Holz und Palmblättern befüllt und brennen die frisch hergestellten Ziegel.

Das Gelände schien zum Zeitpunkt unseres Besuches verlassen. Verteilt auf dem Gelände entdeckten wir überall kleine Werkstätten, in denen die Ziegel geformt und nach dem Trocknen gebrannt wurden.

Während unseres Rundgangs kamen wir endlich auch mit Arbeitern in Kontakt. Sie freuten sich, dass wir sie besuchten, und einer der Arbeiter erklärte uns kurz den Prozess der Ziegelherstellung. Es ist ein sehr langwieriger und aufwendiger Prozess, der mit dem Anmischen der Ziegelmasse beginnt, über das Formen und Trocknen der Ziegel geht und mit dem Auskühlen in den Brennöfen nach dem 24-stündigen Brennvorgang endet.

Jeder einzelne Arbeitsschritt ist Handarbeit. Hier ist nichts automatisiert oder durch eine Maschine ersetzt. Dies war ein wirklich sehr interessanter Besuch und hat mir abermals deutlich gemacht, wie privilegiert wir in Deutschland leben. Ich habe eine körperlich viel einfachere Arbeit und verdiene sicherlich ein Vielfaches von den Arbeitern in der Ziegelbrennerei. Dennoch haben sie ein lohnenswertes Business. Die Briqueterie ist in Familienbesitz und sie verkaufen die Ziegel vor allem an wohlhabende Menschen, die sich ein traditionelles Haus bauen oder Hotels damit verzieren. Auch in unserer Unterkunft waren im Innenhof sämtliche Wände damit verkleidet. Ich hoffe, dass sie die Ziegel für einen guten Preis verkaufen können und sich somit ihre kräftezehrende Arbeit lohnt.

Die Bergoase Chebika: Zwischen Palmen, Wasserfällen und Fels

Nach diesem kulturellen Erlebnis ging es weiter zu einem kleinen Naturabenteuer. Wir wollten uns zwei der spektakulären Bergoasen in der Nähe der Grenze zu Algerien ansehen.

Der Weg führte uns abermals über einen Salzsee. Die Straße des Chott el Gharsa war so unglaublich schlecht, dass man teilweise kaum schneller als 40 km/h fahren konnte, wenn man es nicht darauf anlegen wollte, dass das Auto auseinanderzufallen drohte.

Kaum hatten wir den Salzsee hinter uns gelassen, kamen wir schon in der Oase von Chebika an. Am Parkplatz standen bereits jede Menge Autos, vor allem geländegängige SUV, die mit Kleingruppen unterwegs waren. Diese Autos hatten wir schon auf dem Weg in die Bergoase getroffen.

Wie der Name schon verrät, liegt die Chebika-Oase mitten in den hellen, in der Sonne fast weißen Bergen. Anfangs sind wir direkt den Berg hinaufgelaufen und kamen somit direkt in der kleinen Oase mit ihren Wasserläufen heraus. Nachdem wir die Oase bestaunt hatten, liefen wir durch den Canyon immer entlang des kleinen Wasserlaufs. Immer wieder überwand der Flusslauf die Höhenmeter in Form eines kleinen Wasserfalls. Die Chebika-Oase ist ein wirklich sehr schöner Ort. Am Ende des kleinen Spaziergangs liefen wir noch kurz durch die kleinen Touri-Shops und tranken einen frisch gepressten Orangensaft.

Der spektakuläre Canyon von Mides

Nun ging unser Roadtrip immer weiter an die algerische Grenze. Die Ortschaften wurden immer kleiner und die Berge immer schöner. An vielen Stellen gab es wunderschöne Aussichtsplätze auf die atemberaubende Landschaft dieser Region.

Je näher wir der Oase von Mides kamen, desto näher kamen wir Algerien. Hier und da sah man schon verschiedene Einrichtungen des Militärs. Wirkliche Orte gab es hier auch nicht mehr.

Das Ende der Straße war ebenfalls schon ausgeschildert. Wir bogen jedoch in einer Palmenoase ab und folgten dem Weg für wenige hundert Meter. Vor Ort gab es einige Parkplätze, zwei kleine Cafés und ein paar junge Männer, die sich einen kurzen Job als Guide erhofften. Im Reiseführer hatte ich gelesen, dass man sich einen Guide engagieren sollte. Allerdings nur aus dem Grund, dass die anderen dann aufhören, einen zu belästigen.

Diese Erfahrung können wir jedoch keineswegs teilen. Wir sagten den Männern, dass wir uns erst einmal umschauen und später eventuell zu ihnen zurückkommen würden. Sie akzeptierten das ohne Weiteres und wünschten uns viel Spaß in Mides.

Das war schon die zweite Erfahrung mit inoffiziellen Guides. In Chenini und auch hier waren diese Männer sehr höflich und akzeptierten unser Nein, ohne uns ein schlechtes Gewissen oder gar Angst zu machen. Wie es sonst oft gängige Praxis ist, um doch noch einen Guide zu buchen.

Die Oase von Mides ist ganz anders. Gelegen am Rande eines großen Palmenhains erstreckt sich der kleine und nahezu verlassene Ort. Das Highlight der Oase ist allerdings der Canyon, der hier die Landschaft prägt. Und dieser Canyon war wirklich spektakulär. Wir sind eine Weile zu verschiedenen Viewpoints gelaufen und haben einfach nur gestaunt.

Hier haben wir zwei, drei kleine Touristengruppen getroffen, die allesamt keinen Guide hatten und meist auch schnell der Oase den Rücken zukehrten. Wir blieben hier eine ganze Weile und genossen den wirklich spektakulären Ausblick auf den Canyon von dem einzigen Café im hinteren Teil, am Hauptplatz des Canyons.

Wenn Tunesien, dann wieder Tozeur

Wenn ich noch einmal nach Tunesien reise, dann würde ich direkt in Tozeur starten. Der Ort ist wirklich wunderschön. Allein die Medina ist einen Besuch wert. Die Oase von Tozeur haben wir leider gar nicht besucht, dazu hatten wir keine Zeit. Dies lässt sich jedoch ganz einfach organisieren, indem einen der Kutschenfahrer anspricht und man sich von ihm mit seinem Pferdewagen in die Oase fahren lässt.

Man kann in Tozeur und der Umgebung noch so viel erleben, was wir nicht geschafft haben. Der Ort hat einen Platz in meinem Herzen gefunden und das auch wegen der Menschen, die wir während unseres Aufenthaltes kennengelernt haben.

Am letzten Morgen bin ich nochmals mit meiner Kamera durch die Stadt gelaufen und habe ausgedruckte Bilder an die Menschen verschenkt, die ich in den Tagen davor fotografiert hatte. Dies waren abermals wunderschöne Begegnungen, die mir die Fotografie ermöglicht hat.

Der Weg nach Tozeur hat sich auf jeden Fall gelohnt.

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