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Ein Roadtrip durch Tunesien: Von Tamezret bis in die Dünen der Sahara

Mein erstes Wüstenabenteuer habe ich vor einigen Jahren in der Wüste von Jordanien erlebt. Die Wadi-Rum-Wüste liegt im Süden Jordaniens und damals unternahmen wir eine kleine Wüstentour und schliefen eine Nacht in der Wüste.

Neben dem tollen Abend, den wir mit einem Berber im Zelt verbrachten und bei dem wir quasi über Gott und die Welt sprachen, war es vor allem die Stille, die mir bis heute in Erinnerung geblieben ist. Diese Stille, die man sonst nur selten auf diesem Planeten erleben kann, war einfach fantastisch.

Seit diesem Zeitpunkt faszinieren mich die Wüsten dieser Erde und ich hatte bis jetzt das Glück, schon einige wunderschöne Wüsten erkunden zu dürfen. Egal ob in der Atacama-Wüste in Südamerika, in den Wüsten im Oman oder in Katar, in der großen Wüste Saudi-Arabiens, in den Ausläufern der Sahara im Süden Marokkos oder in der Sahara in Tunesien: Ich bin jedes Mal aufs Neue von dieser Landschaft begeistert.

So kam es natürlich, dass auch bei unserem Roadtrip durch Tunesien ein Stopp mit Übernachtung in der Wüste obligatorisch war. Mehr über dieses Wüstenabenteuer in der tunesischen Sahara erfährst du in diesem Blogpost.

Tee trinken über den Dächern von Tamezret

Nachdem das Auto zwar nicht repariert war, wir aber zumindest genügend Öl im Gepäck hatten, starteten wir unseren Roadtrip in Richtung Sahara.

Kaum hatten wir Matmata hinter uns gelassen, sahen wir noch weniger Häuser, als wir es schon in Matmata getan hatten. Vor uns breitete sich eine schier endlose, gebirgige Steinwüste aus.

Unser erster Stopp war ein Café in Tamezret. Wir parkten das Auto in diesem kleinen Ort und machten uns auf die Suche nach dem Café. Die Gassen des Dorfes waren eng und unübersichtlich. Immer wieder hatten wir jedoch wunderschöne Blicke vom Dorf in die umliegende Landschaft.

An den Steinmauern, die Häuser im arabischen Raum oft komplett eingrenzen, lasen wir in der Ferne „Café“ mit einem Pfeil. Wir folgten der spärlichen, aber doch irgendwie guten Beschilderung und fanden recht problemlos das Café Berbère – ⵍⵇⴰⵀⵡⴰ ⴰⵎⴰⵣⵉⵖ, auch Café Ben Jemma genannt.

Dieses kleine Café im Bergdorf Tamezret mit knapp 800 Einwohnern ist das einzige Café in dieser Region, das für Frauen und Männer geöffnet ist und dazu noch von einer Frau geführt wird. Von daher ist dies ein Ort, den man durchaus unterstützen kann.

Wir bestellten zwei sehr gute Berber-Tees, die uns mit Minze, Mandeln und Zitrone serviert wurden. Dazu kaufte ich mir noch einen lokalen Honig, der hier im Dorf hergestellt wurde.

Der Innenhof bot einige schattige Plätze, an denen man wirklich sehr entspannt sitzen und die Atmosphäre auf sich wirken lassen konnte.

Wenn man sich auf die Bänke an den Mauern stellt, kann man über die Mauern schauen, die auch dieses Café eingrenzen. Dann eröffnet sich ein wunderschöner Blick über den gesamten Ort, der in schöne Weiß- und Erdtöne getaucht ist.

Nachdem wir den leckeren Tee im Café genossen und noch kurz mit der Café-Besitzerin gesprochen hatten, schauten wir uns den Ort zu Fuß an. Dies hat sich wirklich gelohnt, da der Ort ein sehr authentisches Gefühl für das Leben der Menschen in dieser Region Tunesiens vermittelt. Mehrmals wurden wir im Ort angesprochen, ob wir uns schon das Café angesehen hätten und wie uns der Ort gefällt. Teilweise sprachen die Menschen mit uns Englisch oder Französisch.

Ein kleines Café am Rand der Sahara

Nach dieser wunderschönen Pause in Tamezret setzten wir unsere Fahrt fort und begaben uns immer weiter in die Region der Sahara.

Die kurvige Straße des Dahar-Gebirges ließen wir hinter uns und vor uns eröffneten sich endlose Straßen, die bis zum Horizont gerade verliefen.

Die Steinwüste, die uns bisher umgeben hatte, verwandelte sich nach und nach immer mehr in eine wunderschöne Sandwüste. Hier und da sahen wir schon erste Dünen. Die Straßen waren teilweise vom feinen Sand der Sahara verweht und man musste schon hier aufpassen, dass man im Sand auf der Straße nicht die Kontrolle über das Fahrzeug verliert.

Schon auf Google Maps hatte ich mir das nächste kleine Café herausgesucht, das quasi das einzige Geschäft weit und breit war. Das Le Café Jelill liegt direkt an einer Kreuzung, die alle vier Himmelsrichtungen miteinander verbindet. Der Google-Maps-Eintrag verriet auf den Bildern, dass dies wohl ein sehr beliebter Treffpunkt für Reisende und Overlander in Tunesien ist, um einen Tee zu trinken und ein paar Datteln zu essen.

Wir konnten das Café schon von Weitem am flimmernden Horizont sehen. Noch bevor wir dort ankamen, kamen uns jede Menge deutsche Reisemobile entgegen. Das waren nicht irgendwelche beliebigen Wohnmobile, sondern rollende Expeditionsschlösser auf Rädern.

Kaum hatten wir diese hinter uns gelassen, fuhren wir auf den kleinen Parkplatz des Cafés. An der Kreuzung stand eine Patrouille des tunesischen Militärs und kontrollierte die vorbeifahrenden Fahrzeuge.

Auch dieses Café war ein wirklich besonderer Ort. Es bestand lediglich aus einem kleinen Raum, der voll mit Stickern von Reisenden beklebt war. Als ich den Raum betrat, konnte ich die Besitzerin hinter ihrer hohen Theke gar nicht wahrnehmen. Als sie mich hörte, kam sie aus ihrer Nische hervor und bereitete mir erneut einen Berber-Tee für umgerechnet wenige Euro-Cents zu.

Zum Glück hatte die riesige Reisegruppe das Café schon vor unserem Ankommen verlassen. Somit konnten wir uns auf einen der wenigen Stühle vor dem Café setzen und das Militär bei seiner Arbeit beobachten.

An diesem Ort kam für mich ein richtiges Abenteuer-Feeling auf. Wir saßen mitten in der Wüste, an einer Kreuzung mitten im Nichts, tranken einen leckeren Tee und genossen die Aussicht. Kann das Leben schöner sein? In diesem Moment wohl gerade nicht.

Douz: Das Tor zur Sahara

Der Weg in Richtung unseres Wüstencamps führte uns weiter über verwehte Straßen in Richtung des touristischen Zentrums dieser Region: Douz. Vor den Stadttoren von Douz sah ich ein paar in die Jahre gekommene Autowracks am Straßenrand inmitten der Wüste und stoppte unseren Mietwagen, um mir die Autos genauer anzuschauen.

Nur wenige Kilometer später ließen wir die einsame und lebensfeindliche Wüste hinter uns und befanden uns plötzlich mitten in einer quirligen Stadt.

Douz gilt als das touristische Zentrum der Region und wird seit vielen Jahrzehnten als „Tor zur Wüste“ bezeichnet. Der Ort galt schon in früheren Zeiten als Umschlagplatz für den Karawanenhandel und diese Funktion hat der recht schmucklose Ort bis heute nicht verloren.

Viele Reisende, Overlander, Rallye-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer sowie Expeditionen nutzen die Infrastruktur des Ortes, um ihre Essensvorräte aufzufüllen, ihre Fahrzeuge reparieren zu lassen oder sich vielleicht sogar eine Tour zu buchen, um die Wüste von hier aus bequem zu erkunden.

Auch wir stoppten hier, um unsere Vorräte in einem der Supermärkte aufzustocken. Für uns hieß das vor allem, unsere Wasservorräte aufzufüllen und ein paar gesunde Snacks zu kaufen.

Nach einem kurzen Spaziergang durch den Ort, dem Besuch des lokalen Marktes und eines lohnenswerten Souvenirmarkts starteten wir unseren Mietwagen, um die letzten Kilometer zu unserem Wüstencamp zurückzulegen.

Das Camp mitten in der Sahara: Camping Dunes Insolites

Wir fuhren immer weiter auf der sehr gut asphaltierten Straße in Richtung Westen, weiter in die Sahara hinein, in Richtung unseres Wüstencamps.

Nach etlichen Kilometern hinter Douz bogen wir von der Hauptstraße ab, durchfuhren zuerst eine wunderschöne Palmenoase und als wir sie verließen, eröffnete sich die Weite der Sahara vor uns.

Nun hatten wir noch einen halbwegs gut befahrbaren Weg vor uns, der uns zum Camp führen sollte. Am Camp angekommen, endete der Weg.

In Tunesien hatten wir das Problem, dass wir eigentlich kein Camp fanden, das uns wirklich zugesagt hat. In unseren bisherigen Wüstencamps waren wir immer nahezu allein. Es waren recht kleine Camps, die jedoch einen guten Standard hatten, ohne dabei von Glamping zu sprechen. An sich bedeutet das für uns lediglich, dass wir möglichst eine Toilette und Dusche im Zelt haben wollen.

Diese Zeltkategorie hatten wir auch im Camp Camping Dunes Insolites gebucht, aber leider nicht erhalten. Dazu später mehr. Wir kamen also am Camp an und mussten erst einmal warten, bis wir einchecken konnten. Schon hier sahen wir, dass das Camp sehr groß ist. Es gibt Zelte, einfache Hütten, etwas größere einfache Hütten und größere Hütten. Wir hatten uns für eine etwas größere einfache Hütte entschieden. Aber wir wussten von Anfang an, dass dies wahrscheinlich nicht das schönste Camp für uns sein würde, da es uns einfach zu groß war.

Nach dem Check-in erfuhren wir, dass unsere gebuchte Zeltkategorie nicht mehr verfügbar war. Als ich die abfotografierte, handgeschriebene Liste gesehen habe, wunderte es mich nicht, dass sie keinen wirklichen Überblick über die Buchungen hatten. Zumal man das Camp über alle gängigen Plattformen, per E-Mail und per WhatsApp buchen kann. Ich entschied mich in der Vorbereitung für WhatsApp. Das war wahrscheinlich der Fehler.

Aber der Chef des Camps gab sein Bestes und bot uns die einfache Hütte ohne Toilette und Dusche zum niedrigsten Zeltpreis an. Wir freuten uns, dass wir zwei Betten bekommen hatten und sogar noch ein wenig sparen konnten.

Die Sahara erleben: Stille, Weite und unzählige Sandkörner

Endlich war es so weit: Für uns ging es in die Wüste. Wir warfen unsere Taschen in die Hütte und verließen das Camp zu Fuß. Wir liefen einfach geradeaus, egal ob eine Düne im Weg war oder nicht. Von jeder erklommenen Düne hat man nur noch den inneren Trieb, zur nächsten Düne zu laufen. Ehe man sich versieht, ist das Camp aus dem Blick verschwunden und man befindet sich inmitten von unzähligen Sandkörnern.

Dieses Gefühl ist einfach wunderschön. Diese Einsamkeit, diese Stille und diese auf den ersten Blick monotone Landschaft faszinieren mich an der Wüste.

Wenn die Wüste plötzlich laut wird

Leider trafen wir auf dem Rückweg auf das Ergebnis des Tourismus in diesem Camp. Überall waren in der näheren Umgebung des Camps Menschen. Es fuhren regelmäßig Quad-Touren durch die Wüste, SUV-Touren fuhren ebenfalls über die Dünen rund um das Camp und einige Menschen waren auf Kamelen unterwegs. Das Gute daran: Diese kann man wenigstens nicht hören.

Showtime im Camp: Zwischen Berbermusik, Pferdeshow und Brotbacken

Es war einfach viel zu viel los. Am Abend erlebten wir dann das nächste Level. Der Chef des Camps sprach am Nachmittag recht oft von der großen Show, die hier im Camp jeden Abend veranstaltet wird. Das heißt, wir waren wirklich gespannt.

Zuerst startete eine kleine Band, bestehend aus den Angestellten des Camps. Sie spielte wirklich schöne, aber etwas zu laute Berbermusik. Dies zog sich leider über eine halbe Stunde und wurde dann wirklich anstrengend.

Ich war gespannt, was nun kommen würde. Wir mussten alle an den Rand des Camps gehen. Hier war eine beleuchtete Manege, die für eine Pferdeshow genutzt wurde. Ich denke, eine Viertelstunde lang lief ein Pferd im Kreis und die Angestellten zeigten uns verschiedene akrobatische Kunststücke auf dem Pferd. Das war von den Männern eine wirklich beachtliche Leistung, für das Pferd war die Situation sicherlich nicht ganz so schön.

Aber das war leider noch nicht das Ende. Abermals liefen alle Besucherinnen und Besucher des Camps durch das Camp an das andere Ende. Hier zeigte uns ein anderer Angestellter, wie die Nomaden in der Wüste ihr Brot im Sandboden backten. Es war wirklich interessant, aber sehr langwierig. In diesem Moment verlor ich die Lust. Denn am liebsten bestimme ich selbst über meine Zeit.

Von daher versuchte ich schon einmal, einen Tisch im Essensraum klarzumachen, damit wir möglichst als Erste Essen bekommen konnten, da es schon gegen 21 Uhr war und wir noch kein Mittagessen hatten.

Ja, der Abend war durchaus anstrengend, da wir die Ruhe der Wüste nur bedingt genießen konnten. Diese Portion Ruhe holte ich mir am nächsten Morgen. Aber auch zu dieser Zeit waren die ersten Handwerker schon fleißig am Arbeiten, die das Camp – wer hätte es gedacht – erweiterten.

Ein Wüstenerlebnis mit Ecken und Kanten, der sich dennoch gelohnt hat

Auch wenn der Aufenthalt bei Weitem nicht so schön war, wie es zum Beispiel im Oman oder in Jordanien gewesen ist, war es abermals sehr schön, die Wüste zu erleben. Wir hätten uns auf jeden Fall geärgert, hätten wir uns diese Chance entgehen lassen. Es war nicht perfekt, aber es war wunderschön.

Außerdem lernten wir eine nette Frau aus Australien kennen, mit der wir gemeinsam zu Abend aßen und uns zum Frühstück im Camp trafen. Und wie so oft bei netten Bekanntschaften vergisst man einfach, die Kontaktdaten auszutauschen. Gern hätte ich erfahren, wie ihr Leben in Australien aussieht.

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