Zum Inhalt springen

Gipfelbuch: Zurück auf dem Sulzkogel – Zwischen Gipfelglück und vergangenen Zeiten

Während ich vor meinem Auto auf dem Campingplatz sitze und mich auf den Ruhetag freue, weil ich von den letzten beiden Bergtagen mit insgesamt über 3000 hm ganz schön k. o. bin, denke ich daran zurück, wie Kühtai und der Sulzkogel in mein Leben gespült wurden.

In Kühtai war ich schon mehrmals wandern, habe dort übernachtet oder einfach nur den Ort besucht. In der Vergangenheit war es mehr ein verlassener Skiort. Während der letzten Jahre etablierte sich hier nach und nach der Sommertourismus und dadurch verlor der Ort leider seinen Charme als Lost Place.

Dennoch ist der Ort natürlich von wunderschönen Bergen umgeben und ein Besuch lohnt sich immer. Zum Beispiel steht hier ein ganz einfacher 3000er, der nur darauf wartet, bestiegen zu werden. Der Sulzkogel ist ein wunderschöner Berg. Mit knapp 1000 hm vom Parkplatz bis zum Gipfel und seinem tollen Gipfelblick bietet er die perfekte Belohnung für den Aufstieg.

Ein verlassener Skiort im Sommer

Auch dieses Erlebnis ist schon wieder eine ganze Weile her und ich bin ehrlich: So ganz kann ich es zeitlich nicht mehr verorten. Ich war wieder einmal in den Alpen unterwegs und fand eher zufällig die Passstraße nach Kühtai. Ich war damals fasziniert von diesem im Sommer nahezu verlassenen Skiort und übernachtete spontan auf dem Parkplatz des Skilifts.

Ich weiß gar nicht, ob ich bei diesem ersten Besuch schon wandern war oder lediglich das wunderbare Panorama der zum Greifen nahen Gipfel genoss. Wer weiß.

Als Vagabunden in den Alpen: Zwischen Parkplatzromantik und Bergfreiheit

In den nächsten Jahren besuchte ich Kühtai noch mehrmals. Egal, ob mit meinem besten Freund zum Wandern und einfachen Abhängen, allein oder mit meiner Freundin.

Dieser Ort hatte für mich immer etwas von Ausgesetztheit und Abenteuer. Damals wurde jedoch noch nicht so sehr nach freistehenden Campern Ausschau gehalten und man konnte sehr entspannt auf dem Parkplatz schlafen.

Irgendwann nahm ich meinen besten Freund mit und wir verbrachten ein paar Tage auf dem Parkplatz in Kühtai. Wir schliefen gemeinsam in meinem viel zu kleinen Mazda 323F aus dem Jahr 2001. Wir wanderten, unternahmen einen Tagesausflug nach Innsbruck und genossen einfach die Zeit als Vagabunden.

Eines Abends regnete es unablässig, als ein älterer Mann mit seinem SUV zu uns kam und uns ansprach. Wir hatten schon Angst, dass er uns des Platzes verweisen würde. Aber es kam ganz anders. Er unterhielt sich eine Weile mit uns. Wir hörten heraus, dass er unser kleines Abenteuer sehr gut fand. Im selben Atemzug bot er uns jedoch ein Zimmer in seinem Hotel an. Zu diesem Zeitpunkt stellte sich heraus, dass es sich bei ihm um den Besitzer des Jagdschlosses von Kühtai handelte.

Das Jagdschloss ist ein traditionelles Luxushotel in Kühtai. Ich denke, dass er ganzjährig auf seinem Anwesen wohnte. Das Hotel war mangels Touristen zwar geschlossen, aber eben doch kein saisonaler Lost Place.

Wir lehnten das Angebot dankend ab und begründeten unsere Entscheidung damit, dass wir doch gerade das Abenteuer genießen wollten und den Ort sehr schön fanden. Er verstand das, betonte aber noch einmal, dass die Nacht durch den aufziehenden Regen und Sturm sehr unangenehm werden könnte und wir das Zimmer umsonst bekämen.

Solche Begegnungen schreibt nur das Reisen. Noch heute denke ich immer wieder an diesen Mann, wenn ich in Kühtai bin und das wohl schönste Hotel des Ortes sehe.

Zurück nach Kühtai, hinauf auf den Sulzkogel

Ja, aus diesen mehr oder weniger emotionalen Gründen befand ich mich wieder auf dem Weg nach Kühtai, um den Sulzkogel zu besteigen. Ich weiß nicht mehr ganz genau, wie oft ich bisher auf seinem Gipfel stand.

Ich glaube jedoch, dass ich in diesem Jahr zum dritten Mal hinaufstieg. Beim ersten Mal machte ich mich allein auf den Weg zum knapp über 3000 m hohen Gipfel. Dort angekommen, war ich von der spektakulären Aussicht überwältigt. Auch wenn es mich einiges an Konzentration kostete, mich sicher auf dem Gipfelplateau zu bewegen, genoss ich es, auf meinem ersten 3000er zu stehen.

Bei meinem zweiten Besuch wollte ich dieses unvergessliche Panorama meiner Freundin zeigen. Sie schlug sich wacker durch den Anstieg. Allerdings entschied sie sich auf der letzten Scharte, von der aus der Weg zum Gipfel abzweigt, dafür, unterhalb des Gipfels zu warten. Ich kraxelte die letzten Meter allein hinauf. Allerdings hielt ich die Zeit auf dem Gipfel bewusst recht kurz, damit meine Freundin nicht allzu lange allein warten musste. Nach einer ausgiebigen Pause unterhalb des Gipfels gingen wir gemeinsam den Abstieg an.

Bei meiner dritten Wanderung auf den Sulzkogel kannte ich den Weg zum Gipfel schon recht gut und freute mich auf die Tour. Die ersten Höhenmeter legte ich auf der Teerstraße zurück. So gewann ich schnell an Höhe. Am Speichersee angekommen, wechselte ich auf den Wanderweg, der zum Gipfel führt. Dieser schlängelt sich anfangs noch am See entlang, der in den letzten Jahren allerhand Wasser verloren hat. Später gewinnt der Weg rasch an Höhe und ist immer stärker von Geröll umgeben.

Am Anfang des Sommers quert man immer wieder kleinere Schneefelder und die Sturzbäche sind voll von tosendem Wasser, das ins Tal stürzt.

Auf den letzten Höhenmetern muss man große Geröllsteine und Felsen überwinden. Der Weg wird von Zeit zu Zeit recht steil und man ist durchaus im Vorteil, wenn man galant von Fels zu Fels springen kann.

Der schönste Lohn für den Aufstieg: Brotzeit mit Gipfelpanorama

Nach knapp zwei Stunden kam ich auf dem Gipfel an. Ich hatte das große Glück, dass an diesem Tag nicht wirklich viele Menschen auf dem Sulzkogel unterwegs waren und ich den Gipfel somit fast für mich allein hatte.

Ich suchte mir ein ruhiges Plätzchen, aß meine Brotzeit und genoss es einfach, dort zu stehen und dieses atemberaubende Panorama auf mich wirken zu lassen.

Auch diesmal nahm ich mir für meine Pause viel Zeit und hielt mich über eine Stunde auf dem Sulzkogel auf. Es war einfach wunderschön. Die Wolken zogen vorbei, der Wind pfiff um das schwere Gipfelkreuz und in der Ferne konnte ich kleinere Regenschauer beobachten. Später nahm ich mir noch ausreichend Zeit zum Fotografieren und Filmen, bevor ich meine sieben Sachen einpackte und mich an den Abstieg machte.

Auf dem Abstieg merkte ich die knapp 2000 zurückgelegten Höhenmeter schon deutlich in meinen Beinen. Aber gut, umso mehr freute ich mich, wieder auf dem Parkplatz in Kühtai angekommen zu sein und dort noch ein wenig den Tag genießen zu können.

Kühtai im Wandel und ein Berg, der geblieben ist

Am Parkplatz angekommen, suchte ich nach der Atmosphäre der vergangenen Jahre. Ich stellte mich auf den Parkplatz, auf dem uns damals der Besitzer des Jagdschlosses angesprochen hatte und auf dem ich schon einige Nächte verbracht hatte. Nur leider blieb das Feeling aus, das ich in Erinnerung hatte.

Aber wie sollte dieses Gefühl auch aufkommen, wo sich hier doch so viel verändert hat? Es wurden neue Après-Ski-Hütten gebaut, die auch im Sommer geöffnet haben. Im Tal gibt es neue Lifte, die Wanderer auch im Sommer gemütlich auf die Berge bringen und natürlich ist es Campern nicht mehr erlaubt, auf diesen Parkplätzen zu übernachten. Das alles hat den Ort verändert.

Dennoch sind die Berge, die gerade in den unteren Lagen durch den Wintertourismus stark entstellt wurden, weiter oben immer noch wunderschön. Genau das ist der Grund, warum es mich immer wieder an diesen Ort zieht.

Ich kann die Berge genießen und im Tal die Veränderungen sehen, um herauszufinden, ob dieser Ort noch immer Erinnerungen in mir hervorruft.

Vielleicht ist gerade das der Grund, warum ich einerseits gerne neue Orte erkunde, es aber andererseits auch liebe, an einige wenige Orte immer wieder zurückzukehren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.