Zum Inhalt springen

Als ich am Morgen durch Madaba in Jordanien lief oder mit einem Iren auf einer Kreuzung sprach

Ja. Eine bessere Überschrift ist mir hier auf dem Sofa nicht eingefallen. In Jordanien hingegen saß ich nicht auf dem Sofa und hatte dadurch wohl einige der schönsten Reisemomente meines bisherigen Lebens. Die Momente waren nicht riesig, sie waren nicht spektakulär oder aufregend. Sie waren einfach nur schön. Ich bin einfach ganz entspannt durch die Straßen einer kleinen Stadt im Nahen Osten gelaufen – durch Madaba.

Eigentlich wollten wir die zweite Nacht unseres Jordanien-Roadtrips am Toten Meer verbringen. Im Laufe des Tages verabschiedeten wir uns von dieser Idee. Am Toten Meer gibt es lediglich Hotel-Resorts, welche in einer recht trostlosen Umgebung stehen und dafür zahlt man dann doch einen ziemlich hohen Preis.

Also haben wir nach dem Baden im Toten Meer unser Hotel storniert und haben uns kurzer Hand ein kleines Zimmer im beschaulichen Madaba gebucht. Rückblickend war das eine sehr gute Entscheidung.

Im Toten Meer schwimmen oder viel mehr schweben

Eins kann ich dir sagen: Gehe unbedingt im Toten Meer baden. Es ist ein wirklich tolles Gefühl und wohl so ziemlich einmalig auf unserem Planeten. Einerseits liegt das Tote Meer verdammt tief (-437 m) und andererseits ist es ein wirklich tolles Gefühl, im Wasser zu schweben. Es war wirklich toll.

Auf dem Weg zum Hotel sind wir an zahlreichen öffentlichen Badestellen vorbeigefahren. Rückblickend würde ich dir in der Nebensaison solch ein Bad empfehlen. Wir haben uns für ein Hotel entschieden. Hier kann bei fast allen Hotel in der Nähe des Meeres zur Rezeption gehen und gegen Eintritt den Strand nutzen.

Wir haben pro Person ca. 25 EUR bezahlt und hatten leider keinen Service. Wir haben uns mehr erhofft. Die Toiletten und die Umkleidekabinen waren miserablen Zustand, die Handtücher hätten eine extra Gebühr gekostet und generell wurde viel gebaut in diesem Hotel.

Dennoch hat es sich das teure Bad gelohnt. Es war einfach ein tolles Erlebnis. By the way kann man schwimmend im Toten Meer sehr gut erkennen, wie alt die verschiedenen Hotelanlagen sind. Je weiter die Hotels von der Küste entfernt sind, desto älter sind sie. Warum? Der Wasserspiegel des Toten Meeres sinkt täglich. Das Tote Meer trocknet aus – jedes Jahr sinkt der Wasserspiegel um einen Meter. Das heißt, die Hotels, die von 30 Jahren noch direkt an der Küste erbaut worden sind, stehen heute nicht mehr am Strand.

Nach dem Baden ging es frisch und kalt geduscht nach Madaba. Und das bedeutet in aller erster Linie: Höhenmeter. Madaba, die Stadt der prunkvollen Mosaike, liegt ungefähr auf 760 m Höhe und somit mussten wir über 1000 Höhenmeter auf wenigen Kilometern bewältigen. Wir fuhren hinein in das felsige Gebirge, der Mietwagen überwand mit Bravour viele steile Serpentinen und schon bald fuhren wir durch die Stadttore Madabas.

Erstkontakt mit Jordanien am Morgen

Meinen ersten und richtigen Kontakt mit Jordanien hatte ich tatsächlich erst am Morgen meines Spaziergangs durch Madaba. Die Tage davor sind wir spät Abends in Aqaba gelandet und haben lediglich etwas gegessen und am darauffolgenden Tag haben wir viel im Auto gesessen und das für uns fremde Land ist lediglich an unserer Windschutzscheibe vorbeigezogen.

Aber an diesem Morgen sollte die Reise so wirklich starten. Ich habe mir meine Jordanien-Playlist auf die Ohren gelegt und startete direkt vor der Haustür und lief am frühen Morgen bei frostigen Temperaturen in Richtung Zentrum.

Gespannt lief ich durch die Straßen und genoss die Atmosphäre der mir fremden Stadt. Es zeichnete sich trotz der morgendlichen Kälte ein wunderschöner, milder Tag ab. Die Straßen waren leer. Ab und zu kam mir ein Hund entgegen. Die Stadt machte einen sehr idyllischen und gemütlichen Eindruck auf mich.

Es war Freitag und somit war die Stadt gegen 6 Uhr noch komplett leer. Hier und da fuhr ein Auto, alle Läden waren geschlossen und von Zeit zu Zeit traf ich ein Taxi. Und auf diesem Weg traf ich auch Rahrim. Er war Taxifahrer in Madaba und fragte mich ganz ungläubig, was ich an einem Freitagmorgen zu Fuß durch seine Stadt lief?

In einem kurzen Gespräch erklärte ich ihn, dass ich durch seine Stadt lief, um mir die Wohngebiete anzusehen und zu fotografieren. Er verstand es nicht und bot mir an, dass er mir Madaba mit seinem Taxi zeigen könnte. Da ich jedoch noch nicht gefrühstückt hatte und dann doch irgendwie lieber zu Fuß unterwegs sein wollte, konnte ich dieses tolle Angebot nicht annehmen.

Nach dem wir die Telefonnummern ausgetauscht haben, erzählte er mir noch allerhand Interessantes über seine Heimatstadt und vor unsere Verabschiedung durfte ich ihn noch fotografieren. Es war eine tolle Begegnung.

Sightseeing in Madaba

Ich bin ein großer Freund davon, mir die Wohngebiete einer Stadt anzusehen. Die Orte zu sehen, an welchen die Menschen leben. Aber natürlich ist es auch schön, die Highlights einer Stadt zu besichtigen.

In Madaba vermischen sich diese zwei Welten wunderbar. In der touristischen Altstadt kann man sich einige Highlights ansehen, aber man bekommt an vielen Stellen auch einen Einblick in das wirkliche Leben. Die Gentrifizierung ist hier noch nicht ganz so ausgeprägt, wie es in den meisten europäischen Städten der Fall ist.

Madaba gilt als die Stadt der Mosaike. Diesen Namen verdankt die Stadt ihren unzähligen Mosaiken aus frühchristlichen Zeiten.

Die St. Georgs-Kirche beherbergt das berühmteste Mosaik, eine antike Landkarte des Heiligen Landes, die eine faszinierende historische Perspektive bietet.

Verlässt man die St. Georgs Kirche fällt man nahezu in die kleine Fußgängerzone, in welcher man sich alles kaufen kann, was das Herz begehrt.
Du solltest dir hier unbedingt ein paar Datteln kaufen, diese waren wirklich sehr gut.

Die Begegnung mit einem zeichnenden Iren

Nachdem wir die St. John Baptist Roman Kirche besucht haben und den beeindruckenden Blick vom Glockenturm auf Madaba genossen haben, sind wir weiter durch die vielen, kleinen Straßen gelaufen.

Wieder einmal war mein persönliches Highlight fernab von den Empfehlungen aus dem Reiseführer. Es war eine Begegnung mit einem Künstler aus Irland, welcher einfach so am Rande einer Kreuzung stand.

Pat stand ganz einsam in einer Straße mit Blick auf eine Moschee und zeichnete. Er weckte sofort meine Aufmerksamkeit. Nach kurzem Überlegen sprachen wir ihn an. Er freute sich sichtlich über das Gespräch und erzählte uns Einiges über sein Leben.
Er ist Künstler, lebt in Irland und verbringt den Großteil des Jahres mit dem Reisen. Auf seinen Reisen zeichnet er, statt zu fotografieren und verkauft seine Werke in Irland. So finanziert er sich seine Reisen. Er strahlte eine wahnsinnige Zufriedenheit aus. Beeindruckend. Ja, solche Menschen beeindrucken mich: Menschen, die sich nicht auf vorgefertigten Spuren durch ihr Leben bewegen.

Wir unterhielten uns eine Weile mit ihm. Tauschten Reisetipps aus und bemerkten, dass sich unsere Vorlieben für die Auswahl der Reiseländer ähneln.

Der Weg nach Madaba lohnt sich

Das war wieder einer von diesen Momenten, die ich auf Reisen sehr schätze. Klar, möchte man auch die Highlights auf seiner Bucketlist abhaken. Rückblickend sind es dann jedoch die Begegnungen mit den Menschen, die unvergessliche Erinnerungen schaffen. Danke!

Und wie so oft, lohnt sich natürlich der Weg nach Madaba. Diese Stadt ist wunderschön. Gemütlich, klein und doch recht typisch für Jordanien.

Nach dem wir uns Madaba angesehen haben, ging über den Berg Nebo, von welchem Moses auf das Gelobte Land blickte, nach Jerash und danach nahm uns die Hauptstadt Amman ein.

Aber dies ist schon wieder ein ganz andere Geschichte.

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.