#GrazieVale

Während ich diese Zeilen auf meinem Notebook tippe, laufen die letzten Runden von Valentino – „TheDocotor“ – Rossis Karriere in der Motorradweltmeisterschaft.

Meine Gedanken und Erinnerungen, die mir in an diesem letzten Grand Prix Wochenende durch den Kopf gingen, möchte ich in diesem kurzen Blogpost auf Papier bzw. auf das Display bringen.

Diese unvergleichliche Karriere begann vor 25 Jahren im Jahr 1996. Damals bin ich gerade 9 Jahre gewesen. Ich bin mir sicher, dass ich seinen ersten Grand Prix in Malaysia auf der Rennstrecke von Johor nicht gesehen habe. Dennoch fasste mich das gutartige Rossi-Virus in den kommenden Monaten.

Die Faszination des Motorradsports bzw. der Motorradweltmeisterschaft hat in meiner Region sowie in meiner Familie eine lange Tradition. Das ist auch kaum verwunderlich, wenn der eigene Vater, direkt an der Strecke des historischen Sachsenring-Kurses gewohnt hat und von klein auf, die damaligen Gladiatoren auf zwei Rädern vom Fußweg aus bejubelt hat.

So war es nicht verwunderlich, dass Sonntage in der Regel daraus bestanden, sich auf dem TV die Grand Prix der Motorradweltmeisterschaft gemeinsam anzusehen. Den Helden auf ihren Feuerstühlen zu bewundern, wie sie ihre Runden in den Asphalt brennen.

Ab dem Ende der neuziger Jahre sollte sich dieser Sofa-Zustand zumindest einmal im Jahr ändern: Die Motorradweltmeisterschaft war nach mehreren Jahrzehnten Abstinenz endlich wieder zu Gast am Sachsenring.

Natürlich wurde der Grand Prix von Deutschland, nicht ohne uns eröffnet. Wir waren Stammgäste. In jungen Jahren verbrachte ich unzählige Stunden vor dem Paddock, um so viele Fahrer wie möglich bei der Anreise zu sehen und diese nach einem Foto, einem Autogramm oder gar einem Poster zu fragen.

Der gewitzte, freche, aber überaus sympathische Italiener entwickelte sich schnell zum Publikumsliebling auf dem heimischen Sofa sowie auf dem Rest des Plantens. Ab der Mitte der Neunziger hieß es, dem jungen Talent mit der Startnummer 46 die Daumen zu drücken. Sich mit ihm zu freuen und natürlich auch mit ihm zu leiden, wenn der Grand Prix im Kiesbett beendet wurde.

Man darf keineswegs verschweigen, dass die erste Hälfte des Fan-Daseins nahezu ausschließlich sonnige Zeiten zu bieten hatte. Es gab unzählige Zweikämpfe mit Rivalen wie Capirossi, Harada, Roberts Jr., Biaggi, Gibernau, Lorenzo oder Marquez, in welchen er oft das längere Streichholz zog und auf eine unbeschreibliche Art und Weise unzählige Superlative für sich beanspruchte.

Das Motiv „der Sonne und des Mondes“ war ein fester Bestandteil seiner Design-Sprache bei Helmen, Motorrädern und Lederkombis. Es lag somit auf der Hand, dass man als Fan nicht nur sonnige Zeiten durchlebt, sondern auch in dunklen Zeiten zu seinem „Favorite-Rider“ hält.

Das letzte Jahrzehnt seiner Karriere war durchaus nicht einfach für uns Gelbkappen. Es begann 2010 mit einer schweren Verletzung im Training und setzte sich 2011 mit einem tragischen Unfall, in welchem er involviert war und ein guter Sportsfreund zu Tote kam, fort. Dazu kam eine Ducati, die noch nicht bereit dafür war, in ihrer DNA verändert zu werden.

In den folgenden Jahren versuchte Valentinik von vollem Herzen seinen 10 Weltmeistertitel einzufahren. Jetzt im Rückblick wissen wir, es sollte ihm nicht gelingen. #SepanClash

In einem war er jedoch bis zu seiner letzten Runde weltmeisterschaftlich: Er konnte immer seine Freude zeigen, Menschen faszinieren, unterhalten und für sich sowie den Sport begeistern.

Die Motorradweltmeisterschaft ohne Rossi ist ohnegleichen möglich. Aber ob sie auch so populär bleibt, wie sie es in den letzten 15 Jahren wurde, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Ich sage auf jeden Fall: „Allora, Grazie Valentino! Danke für die tolle Unterhaltung und deine Einstellung zum Leben und zum Sport. Grazie! Danke aber auch, für die tollen Momente mit meiner Familie vor dem Fernseher und natürlich auch an der Rennstrecke.“

Rossis Karriere auf zwei Rädern ist nun, nach 26 Jahren, 9 WM-Titeln, 432 Rennen, 235 Podestplätzen, 115 Siegen und unzähligen Runden auf den besten Rennstrecken aller Welt, beendet.

Und ich beende meinen persönlichen Abschiedsbrief nach 674 Wörtern. Leider ohne 46 in der Statistik, dafür mit eine 4 und einer 6 sowie einer 74.

Und nein, die letzten Runden von Rossi habe ich nicht damit verbracht, auf das Display meines Notebooks zu starren. Ich habe mit voller Aufmerksamkeit die letzten Momente von Rossi in der MotoGP genossen.

Ciao!

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