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Trans-Himalaya: Gemeinsam mit dem Panchen Lama im Kloster Tashi Lhunpo

Am Abend des Vortages kamen wir erst nach Sonnenuntergang in Shigatse an. Hinter uns lag ein langer Reisetag, an dem wir früh am Morgen in Lhasa aufgebrochen waren, um die phänomenale Aussicht auf den Yamdrok-Yumtso-See zu genießen und im Laufe des Tages einen ersten Eindruck davon zu bekommen, wie es sich anfühlt, im Himalaya unterwegs zu sein.

Entsprechend müde waren wir, als wir unser Zimmer – oder besser gesagt unsere kleine Wohnung – in Shigatse bezogen. Unser Wunsch war denkbar schlicht: noch etwas Leckeres zu essen und uns zu erholen.

Zu diesem Zeitpunkt wussten wir allerdings noch nicht, dass sich dieser Wunsch nach einem guten Abendessen nicht erfüllen würde. Ebenso ahnten wir nicht, dass uns am nächsten Tag ein Besuch im Kloster Tashi Lhunpo erwartete – gemeinsam mit der wohl bedeutendsten geistlichen Persönlichkeit dieser Region: dem Panchen Lama.

Leben in einer Suite, das Essen von Instantnudeln und eine hungrige Nacht

Das Hotel, in dem wir wohnten, war wirklich sehr schön. Wir kamen sogar in den Genuss eines Zimmer-Upgrades und wohnten – zumindest für wenige Stunden – in einer Suite. Klar, sie lag ein wenig abgelegen und roch leicht nach Zigarettenrauch, aber wir hatten Platz ohne Ende zur Verfügung und freuten uns trotzdem auf unser Abendessen.

Wir hatten keine große Lust, noch mit dem Taxi durch die Stadt zu fahren und uns ein Restaurant zu suchen – zumal wir davon ausgingen, dass es vermutlich ohnehin nicht unserem Geschmack entsprochen hätte. Vor allem aber waren wir einfach nur müde.

Ein schneller Blick auf die digitale Karte auf unserem Smartphone verriet uns zudem, dass es in der unmittelbaren Nähe des Hotels leider weder Schnellrestaurants noch Imbisse gab. Das Hotel lag am äußeren Stadtrand von Shigatse, und entsprechend ausgestorben wirkte die Umgebung, als wir versuchten, rund um das Hotel etwas Essbares zu finden.

Lediglich einen gut sortierten Convenience-Store entdeckten wir direkt neben dem Hotel. Dort trafen wir auch auf nahezu alle westlichen Touristen, die sich ebenfalls ihr „Dinner“ zusammenstellten. Wobei das Wort Dinner hier wohl etwas zu optimistisch gewählt ist: In den Körben der anderen Reisenden fanden sich vor allem Instant-Nudelsuppen, Chips und Süßigkeiten. Klar, das macht satt – aber nahrhaft (von gesund ganz zu schweigen) ist es nicht wirklich.

Spätestens hier wurde mir klar, dass unser Abendessen wohl ähnlich aussehen würde. Und so kam es dann auch: Nach einer kleinen Odyssee vor den endlos scheinenden Regalen mit Instant-Suppen entschieden wir uns mithilfe des Google-Übersetzers für ein paar wohlklingende Sorten. Ergänzt durch einige Snacks war unser improvisiertes Menü komplett.

Zurück im Hotelzimmer warfen wir den Wasserkocher an, machten es uns auf der Couch unserer Suite gemütlich – und mussten leider feststellen, dass die Nudelsuppen für uns schlicht ungenießbar waren.

Also griffen wir auf unseren Notfallplan zurück: gefriergetrocknete Fertiggerichte von Decathlon. Diese hatten wir bereits auf Island und in Grönland häufig gegessen, damals vor allem aus Kostengründen. Denn die Mahlzeiten sind vergleichsweise gesund, schmecken wirklich gut und sind vor allem deutlich günstiger als Essen aus dem Supermarkt oder gar aus dem Restaurant.

Mit einem noch immer hungrigen Gefühl im Magen gingen wir schließlich zu Bett und freuten uns auf das Frühstück am nächsten Morgen.

Und eines muss ich sagen: Das Frühstück war wirklich gut. Es war ein asiatisches Frühstück mit einem Hauch westlicher Speisen. Hier konnten wir definitiv einige der verlorenen Kalorien des Vorabends erfolgreich wiederfinden. Egal ob Nudelsuppe, Gebäck, Brot, Eier oder Obst – wir ließen es uns gut gehen.

Shigatse – gesehen und doch verpasst

Leider mussten wir uns schon recht zeitig nach dem Frühstück wieder von unserer Suite verabschieden. Mit gepackten Rucksäcken und einem vollen Magen begrüßten wir Tenzin und Bimba. Gemeinsam fuhren wir nun ins Zentrum von Shigatse – und ich muss sagen, die Stadt sah wirklich schön aus.

Gern hätte ich von dieser Stadt noch mehr gesehen.

Im Strom der Gläubigen zum Klostereingang von Tashi Lhunpo

Wir fuhren nun von unserem Hotel in Richtung des Klosters Tashi Lhunpo. Unser Guide entschuldigte sich bereits im Vorfeld, dass wir die letzten Meter wohl zu Fuß zurücklegen müssten, da an diesem Tag eine sehr wichtige Persönlichkeit das Kloster besuchen würde. Entsprechend weiträumig sei das Gelände abgesperrt, zudem gebe es zahlreiche Sicherheitskontrollen.

Neugierig fragten wir nach, wer denn gemeinsam mit uns das Kloster besuchen werde. Tenzin lachte nur und erklärte, dass der Panchen Lama an diesem Tag eine Audienz im Kloster halten würde und deshalb mit außergewöhnlich vielen Besucherinnen und Besuchern zu rechnen sei.

Kurz darauf stoppte Bimba den Wagen und ließ uns aussteigen. Tenzin ging zügigen Schrittes voraus, wir hasteten hinterher. Ich hatte Mühe, den Anschluss zu halten, da ich immer wieder versuchte, Eindrücke vom Stadtleben in Shigatse festzuhalten. Schon bald erreichten wir eine der zahlreichen Sicherheitskontrollen und passierten unzählige Militärs. Doch schnell wurde klar, dass sich der Großteil der Menschenmenge auf dem Weg zur Audienz befand – und so gelangten wir letztlich doch relativ zügig zum Eingang des Klosters.

Tashi Lhunpo: Macht, Inkarnation und jahrhundertealte Konflikte

Heutzutage leben noch rund 800 Mönche und etwa 100 Novizen im Kloster Tashi Lhunpo, dessen Gründung rund 600 Jahre zurückliegt. Damit ist es das größte noch aktive Kloster Tibets. In seiner Blütezeit sollen hier sogar etwa 5.000 Mönche gelebt haben.

Das Besondere an der Region rund um Tashi Lhunpo ist der große Einfluss des Panchen Lama auf die Menschen. Über lange Zeit hinweg gab es innerhalb Tibets Streitigkeiten darüber, ob dem Dalai Lama oder dem Panchen Lama die größere Autorität zustehen sollte. Der Dalai Lama vereinte traditionell sowohl die geistliche als auch die weltliche Macht in Tibet. In dieser Hinsicht hatte der Panchen Lama deutlich weniger politischen Einfluss, gilt jedoch als höhere Inkarnation. Man sieht: Wie überall auf der Welt wird auch hier gern um Macht gerungen.

Tatsächlich konnte der Panchen Lama seine Autorität vor allem in der Region rund um das Kloster Tashi Lhunpo entfalten und genießt hier bis heute große Beliebtheit. Während der Dalai Lama die Unabhängigkeit Tibets forderte, befürworteten die Anhänger des Panchen Lama eher eine Annäherung an China.

Wie auch immer – über dieses Spannungsfeld ließe sich noch sehr viel mehr schreiben, etwa darüber, dass ein Panchen Lama sogar einmal entführt wurde.

Wir aber waren nun Gäste in seinem Kloster und freuten uns sehr über den Gedanken, dass er an diesem Tag ebenfalls irgendwo durch diese weitläufige Anlage schritt.

Das Kloster beherbergt all jene Dinge, die wir bereits in den Klöstern der vergangenen Tage bestaunen konnten: zahlreiche Kapellen, Buddha-Statuen, Gebetsräume, Tempel und sogar die Grabstätten vergangener Panchen Lamas. Tashi Lhunpo ist damit nicht weniger sehenswert als all die anderen Klöster, die wir zuvor besucht hatten.

The busy Monastery – Gläubige unter Zeitdruck im Tashi Lhunpo Kloster

Zu Beginn unseres Besuches war allerdings ausgesprochen viel los. Viele der Gläubigen, die der Audienz des Panchen Lamas beiwohnen wollten, schienen sich vorgenommen zu haben, zuvor noch in den wichtigsten Tempeln zu beten. Entsprechend lang waren die Schlangen vor den Eingängen.

Teilweise mussten wir sogar vor bedeutenden Buddha-Statuen mehrere Minuten warten, bevor wir die Tempel betreten konnten. War man dann endlich an der Reihe, sollte alles plötzlich ganz schnell gehen.

Mancherorts war es sogar untersagt, die Glocken am Tempeleingang zu läuten – schlicht, weil es zu viel Zeit in Anspruch nahm. Davon ließen sich die Gläubigen jedoch kaum abhalten, und so erklangen die Glocken trotz des Verbots immer wieder. Die Treppen, die zu den Tempeln führten, wurden wir vom ausgesprochen freundlichen Sicherheitspersonal förmlich hinaufgeschoben; beim Verlassen ging es ebenso sanft wie bestimmt wieder hinunter.

Es war sehr interessant zu beobachten, mit welchem Ernst und welcher Hingabe die Menschen ihre Religion auslebten und bemüht waren, alle wichtigen Tempel in möglichst kurzer Zeit aufzusuchen.

In der zweiten Hälfte unseres Besuches wurde es dann deutlich ruhiger. Das Kloster war nun beinahe leer.

Offenbar stand die Audienz des Panchen Lamas unmittelbar bevor, und für uns war es an der Zeit, das Kloster Tashi Lhunpo wieder zu verlassen. Auch an den zahlreichen Sicherheitskontrollen kehrte spürbar Entspannung ein, und von den Menschenmengen des Morgens war kaum noch etwas zu sehen.

Tenzin behielt dennoch seinen flotten Schritt bei, und wir bemühten uns, den Anschluss nicht zu verlieren – nicht zuletzt, weil ich abermals versuchte, wenigstens ein paar schöne Aufnahmen des Straßenlebens von Shigatse mitzunehmen.

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