
Es ist schon verrückt: Da reist man um die ganze Welt, hat das ein oder andere Weltwunder bestaunt, wunderschöne Natur genießen dürfen oder sich spektakuläre Weltstädte angeschaut.
Was mich – beziehungsweise mein Mindset – jedoch wirklich jedes Mal nachhaltig beeinflusst, sind Begegnungen mit Menschen. Auch in Xining hatten wir viele schöne Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen. Wir wurden auf der Straße angesprochen, um Selfies gebeten oder hatten nette „Gespräche“ mit Taxi-Fahrern oder -Fahrerinnen. Ich setze das Wort Gespräche bewusst in Anführungsstriche, da es oft nur Fragmente waren, bedingt durch die geringen Schnittmengen unserer Sprachen.
Eine Begegnung ist mir dabei bis heute besonders im Gedächtnis geblieben: die Begegnung mit tanzenden Menschen auf dem Central Square von Xining.
Tanz auf dem Central Square von Xining
Der letzte Sightseeing-Stop des Tages sollte der Central Square von Xining sein. Wir nahmen uns ein Taxi, um schnell von der Fußgängerzone zum Hauptplatz der Stadt zu gelangen, der direkt am Nanchuan River gelegen ist. Am Platz angekommen, wurden wir von zahlreichen chinesischen Flaggen begrüßt. Man hat hier jedoch nicht nur eine schöne Sicht auf die Staatsflaggen, sondern auch auf die kleine Skyline von Xining. Ich muss sagen, dieser Anblick hat mir sehr gefallen.
Als wir über den Platz liefen, hörten wir von Weitem Musik. Es war tibetische Musik. Da in Xining viele Tibeterinnen und Tibeter leben, ist der Einfluss vom Dach der Welt hier nicht zu übersehen – und vor allem nicht zu überhören.
Also machten wir uns auf den Weg und folgten den für unsere Ohren exotischen Klängen. Schon bald sahen wir Menschen, die sich rhythmisch zur Musik bewegten.




Sie tanzten gemeinsam in einem großen Kreis. Sie klatschten, drehten sich und führten die Choreografie als Gruppe aus.
Es war wirklich faszinierend, wie harmonisch sie miteinander tanzten. In diesem Moment kam mir der Gedanke, dass es manchmal gar nicht viel braucht, um ein gutes Gefühl zu bekommen. Oft reichen einfach gute Menschen, die man um sich hat.
Wir blieben eine ganze Weile bei den tanzenden Menschen, und ihre gute Stimmung sprang sofort auf uns über. Sie strahlten jedoch nicht nur Freude aus, sondern auch eine gewisse Demut. Man sah ihnen die Dankbarkeit an, gemeinsam mit Freundinnen, Freunden oder Bekannten zu tanzen und den Moment zu genießen.
Es war diese Bescheidenheit der Menschen, die mich besonders beeindruckt hat. Diese Mischung aus Bescheidenheit und Demut hätte ich durchaus gern öfter in meinem eigenen Leben.
Auf unserer Reise habe ich noch mehrmals an diesen Augenblick, an die Menschen und an die Musik gedacht. Und jedes Mal, wenn ich mir heute dieses Video ansehe, wird in mir wieder ein Gefühl von Demut und Bescheidenheit geweckt. Ich bin gespannt, wie lange ich dieses Gefühl mithilfe des Videos und meiner Erinnerungen bewahren kann.
Was von der Reise hoffentlich bleiben wird …
In diesem Moment war mir noch nicht bewusst, wie prägend diese Reise aus Mindset-Sicht für mich werden würde. Ob es die Geschichten unseres Guides Tenzin waren, die Menschen, denen wir unterwegs begegnet sind, oder die Werte des Buddhismus, die wir während unserer Zeit in Tibet kennenlernen durften – all das wirkte stärker nach, als ich es zunächst erwartet hätte.
Barmherzigkeit, Mitgefühl und Demut sind zentrale Begriffe, die in dieser Kultur – zumindest nach meinem Empfinden – nicht nur gedacht, sondern konsequent gelebt werden. Deutlich spürbarer und selbstverständlicher, als wir es aus unserem eigenen Kulturkreis kennen.
Ich hoffe, dass mir diese Werte auch nach dieser Reise noch lang im Gedächtnis bleiben werden.
