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Ein Roadtrip durch Tunesien: Eine Werkstatt voller Geschichten und der Markt von Tataouine

Märkte haben für mich eine besondere Faszination. An diesen Plätzen herrscht immer ein wuseliges Treiben. Man sieht viele Menschen, die miteinander interagieren, und oftmals gelingt es mir mit meiner kleinen Sony RX100 VII, eine interessante Szene abzulichten.

Genauso ging es mir auf dem Markt von Tataouine im Süden von Tunesien. Und das, obwohl uns am Abend zuvor noch von einem Besuch dieses Marktes abgeraten wurde.

Wir liefen vielleicht lediglich eine Stunde über den Markt, konnten jedoch Szenen beobachten und mit Menschen sprechen, die uns wahrscheinlich noch ein ganzes Leben in Erinnerung bleiben werden.

Noch am Abend zuvor saßen wir mit der tunesischen Familie, bei welcher wir übernachteten, am Tisch und beratschlagten gemeinsam, was wir uns am nächsten Tag ansehen könnten.

Dabei erzählte ich, dass ich mir in der Vorbereitung den Markt von Tataouine ausgesucht hatte, da ich es einfach mag, an solchen Plätzen Menschen zu fotografieren.

Fatima, die Frau, die uns ein wahnsinnig leckeres Abendessen gekocht hatte und zugleich unsere Gastgeberin war, riet uns davon ab. Sie meinte, dass der ursprüngliche Markt des Ortes leider vor ein paar Jahren geschlossen wurde und der aktuelle Markt keinerlei Charme mehr hätte.

Nun muss man natürlich unterscheiden: Einerseits habe ich keinerlei Vorstellung, wie atmosphärisch und authentisch der frühere Markt gewesen ist, und andererseits ist für mich oftmals schon die belangloseste Situation sehr exotisch. Ich könnte mich an solch einem Ort stundenlang aufhalten, um die Situation oder Menschen zu beobachten.

Von daher sagten wir ihr, dass wir den Markt am nächsten Morgen dennoch besuchen wollten, bevor wir Tataouine leider verlassen würden.

Ein Morgen in Tataouine: Wenn gerade das Unscheinbare spannend wird

So kam es nun, dass wir uns in Richtung des Zentrums der recht modernen Stadt mit gut 60.000 Einwohnern machten. Direkte touristische Sehenswürdigkeiten gibt es in dieser Stadt nicht. Der Star der Stadt ist die Landschaft, in welche sie gebettet ist, und natürlich die Ksour und Berberdörfer in der Region rund um die Stadt.

Bevor wir auf den Markt fuhren, kauften wir noch ein paar Gewürze bei Fatimas Gewürzhändler und tätigten ein paar Einkäufe, damit wir im Laufe des Tages nicht verdursten oder verhungern würden. Ja, auch daran sollte gedacht sein.

Schnell fanden wir im Zentrum einen Parkplatz und liefen in Richtung des Marktes.

Ein Tee zwischen alten Peugeot 404, Schraubenschlüsseln und einem Stück Familiengeschichte

Noch bevor wir am eigentlichen Markt ankamen, entdeckte ich eine Straße, in welcher die im Süden Tunesiens nicht zu übersehenden Peugeot 404 repariert werden. Für mich war dies ein ganz besonderes Erlebnis, da mein Großvater sein Leben lang als Mechaniker in einer Autowerkstatt gearbeitet hat.

Dieser Besuch der Werkstatt in Tataouine hat mich ein wenig erleben lassen, wie mein Opa in den 1960er-Jahren gearbeitet haben muss. Die Mechaniker selbst waren noch ein paar Jahre jünger, als es mein verstorbener Großvater war. Aber sie haben sicherlich noch das Schrauben an solchen Autos gelernt.

Die Freude war nicht nur auf meiner Seite, sondern auch auf der Seite der Mechaniker. Sehr freundlich winkten sie mich zu ihnen heran. Ich bekam einen Tee von ihnen geschenkt, und sie freuten sich, dass ich mich für ihre Werkstatt, ihre Arbeit und ihre Autos interessierte. Auch wenn wir leider kein Wort miteinander sprechen konnten. Aber auch hier haben Mimik und Gestik wieder mehr ausgesagt, als 1000 Worte es könnten.

Nachdem das Eis zwischen uns gebrochen war, war es für mich natürlich auch möglich, die Mechaniker zu fotografieren. In dieser Werkstatt sind für mich sehr schöne und auch irgendwie sehr bedeutende Fotos entstanden. Gern hätte ich diese meinem verstorbenen Opa gezeigt. So skeptisch er meinen Reisen immer gegenüberstand, umso mehr hätte er sich für die Werkstatt und die alten Autos interessiert.

Gerade diese Begegnung wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Ein Marktbesuch voller Begegnungen

Nach solch einem fotografischen Highlight wurde der Markt natürlich zur absoluten Zugabe degradiert. Dies wird dem Besuch des Marktes jedoch in keiner Silbe gerecht. Auch wenn das Wort Markt generell nur eine Silbe hat.

Hier gab es allerhand zu sehen: verschiedenste Lebensmittel, Gewürze, Blumen oder auch Haushaltsgegenstände. Hier kauften die normalen Menschen ein. Es war kein touristischer Markt. Man konnte hier keine klassischen Souvenirs kaufen.

Wir fielen hier natürlich auf, da wir weit und breit die einzigen Reisenden waren, die sich hierhin verirrt hatten. Aber vielleicht gerade aus diesem Grund wurden wir sehr oft nett angesprochen, und man zeigte Interesse an uns.

Die Standardfrage ist natürlich, woher wir kommen. Als wir ihnen verrieten, dass wir aus Deutschland kommen, hörten wir nicht selten, dass sie meist ein Familienmitglied oder einen Bekannten haben, der zurzeit in Deutschland wohnt. Daraufhin hörten wir meist sehr lobende Worte für Deutschland. Wir antworteten darauf meist, dass ihr Heimatland ein ebenso schönes Land ist. So kommt man von einem Thema ins nächste und verabschiedet sich, wenn einem die Themen ausgehen.

Auch dieser Marktbesuch war sehr authentisch. Oftmals hört man, dass die Menschen in Tunesien nicht gern fotografiert werden. Dies kann ich jedoch überhaupt nicht bestätigen. Klar, man sollte mit den Menschen vorher einen kurzen Kontakt aufnehmen. Das Mindeste wäre, die Kamera kurz zu zeigen und sich anzulächeln. Niemand wird gern heimlich fotografiert und bekommt es im Nachhinein mit.

Ich zeige den Menschen danach oft das Bild und versuche, es ihnen auszudrucken. So macht Fotografie für beide Seiten Spaß.

Die schönsten Momente passieren ungeplant

Am Ende war es wieder einmal genau die richtige Entscheidung, nicht nur die großen Sehenswürdigkeiten eines Ortes abzuhaken, sondern einfach loszulaufen und zu schauen, was passiert. Der Markt von Tataouine war vielleicht nicht mehr der ursprüngliche Markt, von dem Fatima erzählt hatte, aber für uns war er trotzdem voller Leben, kleiner Begegnungen und besonderer Momente.

Vor allem die Werkstatt mit den alten Peugeot 404 wird mir wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Manchmal sind es eben nicht die geplanten Highlights, sondern die ungeplanten Begegnungen am Straßenrand, die eine Reise besonders machen. Und genau deshalb lohnt es sich, neugierig zu bleiben.

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