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Ein Roadtrip durch Tunesien: Wie eine Mietwagen-Odyssee zu einer großartigen Story wurde

Von der großartigen Mietwagenübergabe am Flughafen von Tunis hatte ich schon gesprochen. Erst dachte ich, wir würden im privaten Auto des Vermieters zu seinem Office in Tunis gefahren. Das Auto war komplett verschmutzt, es stank nach Zigarettenrauch, überall lagen Plastikflaschen herum und die ursprüngliche Struktur der Sitze war vor lauter Schmutzflecken schon nicht mehr erkennbar.

Es stellte sich dann heraus, dass dies unser Mietwagen sein sollte. Als ich nach dem Starten sah, dass in der Tachoanzeige ein Feuerwerk der verschiedensten Warnleuchten brannte, rief ich den Chef des lokalen Mietwagenunternehmens an. Ohne Probleme schickten sie uns ein besseres Auto.

Mit diesem Auto hatten wir einige Tage keinerlei Probleme, bis ich eines Morgens in Matmata sah, dass unser Mietwagen über Nacht eine nicht geringe Menge an Motoröl verloren hatte.

Als Erstes machte sich Ärger in meinen Gedanken breit, aber dann dachte ich: Das sind doch genau die Momente, die eine Reise prägen und die großartige Geschichten schreiben. Von daher akzeptierte ich den Umstand und sagte leise zu mir: „Problem for later.“

Problem for later: Ein Ölfleck mit Fragezeichen

Nachdem ich von meinem allmorgendlichen Fotowalk zurückkam, machte ich mir über den Mietwagen ein paar Gedanken. Als Erstes parkte ich den Mietwagen um. Vielleicht kam der zwar frische Ölfleck ja doch nicht von unserem Auto. Aber nach dem Frühstück sah ich, dass wir auch auf dem neuen Parkplatz einen recht stolzen Ölfleck hinterlassen hatten.

Nun schien es eindeutig zu sein, dass dieses Öl aus unserem Mietwagen stammte. Von daher legte ich mich unter das Auto und konnte das Problem relativ schnell eingrenzen: Die Ölwanne war im Bereich der Ölablassschraube undicht. Ich nahm an, dass sie die Schraube nach dem Wechseln des Öls einfach über mehrere Jahre nicht gewechselt hatten und dieser Bereich deshalb nicht mehr dicht war.

Wäre das die Ursache für unseren Ölverlust, wäre es halb so schlimm. Es wäre somit kein Schaden am Motor etc. zu vermuten. Wir müssten lediglich den Ölstand im Auge behalten und regelmäßig Öl auffüllen.

Hilfe an der Berber-Tankstelle

Nach weiterem Durchdenken des Problems blieb eigentlich nur eine einzige Lösung übrig. Für alle anderen Lösungen waren wir zu weit von einem größeren Ort und ordentlicher Infrastruktur entfernt.

Also suchten wir eine sogenannte Berber-Tankstelle auf, die wir schon am Vorabend in Matmata gesehen hatten. Hier wird illegal aus Libyen importiertes Benzin aus Kanistern oder Flaschen weiterverkauft. An sich wie an einer Tankstelle, nur dass diese privat und nicht von großen Ölkonzernen geführt wird.

An der Berber-Tankstelle angekommen, halfen uns gleich mehrere Männer. Sie freuten sich regelrecht, dass wir mit unserem Problem zu ihnen kamen. Die erste Lösung war: Öl auffüllen und ein wenig Motoröl kaufen. Später erklärte ich ihnen mit Händen und Füßen, dass der Ölverlust wahrscheinlich eine undichte Ablassschraube als Ursache hatte.

Ich nehme an, dass sie mich verstanden haben. Ein junger Mann, der sehr gutes Englisch sprach, sagte uns, dass wir ihm folgen sollten. Er wollte uns zu einer kleinen Werkstatt bringen.

In meinen Ohren klang dies nach einem richtig guten Plan. Also ließ ich den Motor des Mietwagens an und folgte unserem Helfer auf seinem Moped.

Eine Werkstatt wie aus einer anderen Zeit

Wir fuhren gemeinsam durch die kleinen Straßen von Matmata und kamen nach ein bis zwei Minuten Fahrzeit in einer kleinen Werkstatt an.

Diese Werkstatt war für mich die schönste Sehenswürdigkeit in Matmata. Die Troglodyten-Häuser waren schon wirklich schön. Aber hier fand das wirkliche Leben von Matmata statt.

Die Werkstatt machte auf mich den Eindruck, als wären wir in eine Zeitkapsel gefahren. Überall standen die typischen Peugeot-404-Pick-ups auf dem Hof. Die Werkstatt war rustikal. Sie erinnerte mich an die alte Werkstatt meines Opas. Auch hier war bei keinem Schraubenschlüssel seine ursprüngliche metallische Farbe zu erkennen, sondern alle Werkzeuge waren mit einem öligen Schwarz überzogen. Es roch nach Benzin, Schmierstoffen und Arbeit. Es war ein wirklich ehrlicher und authentischer Ort, den wir ohne die Probleme am Mietwagen nie entdeckt hätten.

Als wir auf den Hof fuhren, lotste mich unser Helfer gleich auf die Grube, sodass der Werkstattmeister sich unser Auto von unten ansehen konnte. Ich öffnete die Tür und schon kam mir ein sehr nett wirkender Mann in einem schmutzigen Werkstattkittel entgegen. Er begrüßte mich zurückhaltend, aber dennoch sehr freundlich. Still ging er die Leiter hinunter in die Grube und schaute sich den Wagen von unten an.

Nach wenigen Momenten kam er wieder hoch und erklärte unserem Helfer auf Arabisch, was er gesehen hatte. Auch ich durfte mir den Wagen von unten ansehen. Hier bestätigte sich meine Vermutung: Die Schraube zum Ablassen des Öls dichtete die Ölwanne einfach nicht mehr richtig ab.

Long story short: Unser Helfer telefonierte mit unserem lokalen Mietwagenunternehmen in Tunis. Er bekam erst einmal das Okay, dass wir die Schraube in Matmata ersetzen oder abdichten dürfen. Aber unser Helfer war nicht von dem Mann in Tunis begeistert. Mit ihm wollte er keine Geschäfte machen. Also wollten sie die Schraube nun doch nicht reparieren. Außerdem meinte der Werkstattmeister, dass er eigentlich auch keinerlei Möglichkeiten habe, die Schraube zu ersetzen, da er hier nur weitaus ältere Autos reparieren könne.

Er sagte uns aber auch, dass wir weiterfahren könnten, wenn wir regelmäßig den Ölstand kontrollieren würden. Also kauften wir bei ihm für wenige Euro ein bisschen Motoröl, bedankten uns für seine schnelle Hilfe und verabschiedeten uns freundlich.

Mit Motoröl im Gepäck Richtung Sahara

Mit genügend Öl im Gepäck rollten wir rückwärts vom Hof und winkten uns noch einmal zu. In meinen Gedanken war ich total davon begeistert, welche besonderen Menschen wir an diesem Vormittag in Matmata getroffen hatten.

Als Erstes trafen wir die nette Frau, die uns ihr altes Troglodyten-Haus gezeigt hatte. Später zeigte uns der Guide des kleinen Museums sein traditionell eingerichtetes, für Matmata typisches Erdhaus.

Nach dem recht spartanischen Frühstück kamen wir mit einem Problem zu der einzigen Berber-Tankstelle in Matmata und uns wurde sofort geholfen. Ein netter Mann übersetzte für uns und führte uns zu einer Werkstatt.

Allein aus diesen Begegnungen wird abermals ersichtlich, dass die Menschen einfach wirklich nett sind und sich freuen, anderen Menschen zu helfen.

Mit diesem guten Gefühl nahmen wir mit ein wenig Verspätung die Etappe von Matmata in die Sahara in Angriff. Vor uns lagen abermals unzählige Kilometer mit vielen neuen Abenteuern, die auf uns warteten.

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