
Gestern Abend war es so weit: Ich habe meinen ersten kleinen Reisevortrag vor einem mir völlig fremden Publikum gehalten. Warum das für mich doch eine besondere Bedeutung hatte, möchte ich in diesem Blogpost ein wenig näher erläutern.
Ich hatte das Vergnügen, einige meiner Bilder und Videos vor etwa 50 bis 60 Menschen in einem Nachbarort zu zeigen. Und ja: mir hat es sehr gefallen, anderen von meiner vergangenen Weltreise zu erzählen.
Starten wir aber erst einmal ganz von vorn, um diesem Beitrag etwas Struktur zu geben.
Ein Blick in die Vergangenheit
Schon seit meiner Jugend lausche ich gern den Erzählungen anderer Reisender – zunächst meist über den Fernseher. Ich habe es geliebt, bekannten Abenteurern wie Rüdiger Nehberg, Reinhold Messner oder Hans Kammerlander zuzuhören, wenn sie von ihren Expeditionen berichteten.
Später, als ich mobiler wurde, besuchte ich selbst zahlreiche Vorträge. Dabei war es mir völlig egal, ob es sich um klassische Fotoreisen, Expeditionen in große Höhen oder Roadtrips mit viel zu alten Autos über viel zu schlechte Straßen handelte.
Für mich war entscheidend, Erlebnisse verfolgen zu können, die fernab meines Alltags lagen.
Diese Begeisterung für Reisevorträge habe ich mir bis heute bewahrt. Gerade in den Wintermonaten besuche ich regelmäßig Multivisionsshows und genieße es, wenn Menschen von ihren Abenteuern berichten.
Wie kam es zu meinem Vortrag
Ich habe schon immer gern meiner Familie – und manchmal auch Freunden – anhand kleiner Präsentationen von unseren Reisen erzählt. Meine Familie schlägt sich dabei tapfer und hält auch längere Abende durch.
Bei Freunden sieht das naturgemäß etwas anders aus. Wer kennt sie nicht, die berüchtigten, endlosen Fotoabende?
Nach unserer Weltreise fragten mich einige Kolleginnen, ob ich nicht ein paar Bilder zeigen könnte. Sie waren neugierig und hatten Lust auf einen kleinen Reisebericht. Natürlich sagte ich zu.
Eine dieser Kolleginnen empfahl meinen Vortrag schließlich weiter – und so kam es, dass ich gestern vor etwa 50 mir völlig fremden Menschen sprechen durfte.

Wie aus Erinnerungen Geschichten werden
Erste Erkenntnisse
Schon bei den Präsentationen im Familienkreis und erst recht bei der Vorbereitung für ein größeres Publikum wurde mir klar: Eine reine Abfolge von Erlebnissen reicht nicht aus.
Ein guter Vortrag braucht eine Geschichte. Und vor allem: Storytelling.
Momente auf Reisen festhalten
Das ist gar nicht so einfach, wenn man die Geschichte erst im Nachhinein zusammensetzen muss. Deshalb versuche ich inzwischen schon während der Reise, bewusst interessante Momente einzufangen, die nicht immer einen klassischen Touristen-Attraktion entsprechen.
Neben den klassischen Sehenswürdigkeiten halte ich auch Alltägliches fest: Begegnungen mit Menschen, kleine Details, unscheinbare Situationen.
Mein Ziel ist es, den Zuschauenden das Gefühl zu geben, mit uns zu reisen.
Kill your darlings: Die Kunst des Weglassens
Nach der Reise beginnt die eigentliche Arbeit – und die ist überraschend schwierig. Man ist selbst noch voller Eindrücke und möchte am liebsten jedes einzelne Foto zeigen.
Doch genau hier gilt: Kill your darlings.
Ich konzentriere mich bewusst auf das Wesentliche und versuche, kleine Geschichten zu erzählen, statt einfach nur Bilder aneinanderzureihen.
Was bedeutet das konkret für meine Auswahl?
- Ein Motiv zeige ich möglichst nur einmal
- Bei besonders starken Motiven arbeite ich mit Details und Perspektivwechseln
- Begegnungen mit Menschen baue ich gezielt ein (Totale, Porträt, Details)
- Ich frage nach Namen – das schafft Nähe und Wertschätzung
So habe ich meinen Vortrag technisch umgesetzt
Die Umsetzung war bewusst einfach gehalten: eine klassische PowerPoint-Präsentation mit exportierten Fotos und kurzen Videos.
Zu jeder Folie habe ich mir Stichpunkte als Notizen ergänzt, die mir als Orientierung während des Vortrags dienten.
So hatte ich am Ende knappe 230 Folien und insgesamt dauerte der Vortrag etwa 90 Minuten samt aller Erzählungen und abgespielten Videos.
Natürlich gibt es professionellere Lösungen für Multivisionsshows – für meinen Zweck wäre das jedoch übertrieben gewesen.
Die Vorbereitung: Übung macht den Unterschied
In den anderthalb Wochen vor meinem Auftritt habe ich den etwa 90-minütigen Vortrag alle zwei Tage komplett durchgesprochen.
Dabei habe ich meine anfangs noch ausformulierten Sätze immer weiter auf Stichpunkte reduziert. Das hat mir sehr geholfen, frei zu sprechen.
Die Videos habe ich beim Üben meist übersprungen, so dauerte ein Durchgang etwa eine Stunde.
Wie lief mein erster Reisevortrag?
Kurz gesagt: Mein 90 minütiger Reisevortrag „In 80 Tagen um die Welt“ verlief sehr gut.
Ich konnte den Vortrag genießen und hatte große Freude daran, meine Reise mit dem Publikum zu teilen. Dank der Vorbereitung fiel mir das freie Sprechen leicht.
Einzig die Technik spielte nicht ganz mit – der Ton meiner Videos war kaum hörbar. Ich habe das spontan gelöst, indem ich die Szenen zusätzlich kommentiert habe.
Nach dem Vortrag gab es Applaus, eine kleine Fragerunde mit der Moderatorin und anschließend zahlreiche Fragen aus dem Publikum. Nachdem das Eis gebrochen war, kamen etwa zehn Fragen zusammen.
Besonders gefreut hat mich das große Interesse. Es gab zum Schluss sogar einige Fragen, die ich beantworten durfte und somit sind wir nach dem Vortrag ein wenig ins Quatschen gekommen.

Was habe ich aus diesem Abend gelernt?
Der Abend hat mir einige wichtige Erkenntnisse gebracht:
- Ich kann auch vor einem größeren, fremden Publikum frei und ganz sprechen.
- Gute Vorbereitung zahlt sich aus. Ich habe oft geübt, bin den Vortrag mehrmals durchgegangen usw.
- Der Vortrag kam beim Publikum gut an. Das Feedback, welches ich im Nachhinein erhalten habe, war durchweg positiv.
- Und vor allem: Es macht mir unglaublich viel Spaß, mir fremde Menschen mit dem Erzählen von unserer Reise zu unterhalten.
Wo ist der Haken?
Wenn man gezielt für Vorträge fotografieren möchte, verändert sich der eigene Reisestil bzw. muss sich der eigene Reisestil verändern. Ein klassischer Hotelurlaub mit ein paar Ausflügen reicht dafür meist nicht aus, um eine Story für einen Vortrag zu finden, die fremde Menschen interessiert oder begeistert.
Man muss bewusster reisen, gezielter beobachten und aktiv nach Geschichten suchen. Das beginnt bei der Wahl des Reiseziels und zieht sich durch die gesamte Reise.
Ob man diesen Aufwand immer so umsetzen möchte oder ganz einfach nur für sich reisen möchte; steht auf einem anderen Blatt bzw. in einem anderen Blogpost und ist somit eine ganz andere Frage.
Mein Fazit
Trotzdem bleibt für mich vor allem eines:
Es hat mir große Freude bereitet, fremden Menschen meine Erlebnisse näherzubringen und sie für einen Moment mit auf meine Reise zu nehmen.
Und vielleicht war das ja nicht mein letzter Vortrag.
