Gedanken zum Besuch von Auschwitz und Auschwitz-Birkenau

Eingang zum Lager I
Eingang zum Lager I

Dieser Besuch stand schon sehr lang auf meiner ToDo-Liste. Und nun war es soweit, wir sind recht spontan die rund 600 Kilometer nach Süd-Polen gefahren und haben uns die Gedenkstätte in Auschwitz (Oświęcim) und Auschwitz-Birkenau angesehen.
Mit dem Thema des Holocausts beschäftige ich mich schon seit geraumer Zeit – einerseits habe ich verschiedene Seminare während meines Studiums besucht und andererseits habe ich schon allerhand Literatur zu diesem Thema gelesen. Dennoch ist es mir bis heute nicht gelungen, den Holocaust ansatzweise zu verstehen – falls man diesen Teil der Geschichte überhaupt verstehen kann.

Wir sind an diesem kalten und wolkigen Februarmorgen in Krakow gestartet und in das 60 Kilometer entfernte Auschwitz gefahren. Als wir auf dem Parkplatz des Museums / der Gedenkstätte „Auschwitz I“ angekommen sind, war schon allerhand los. Viele Besuchergruppen versammelten sich auf dem Parkplatz und warteten darauf, dass ihre Führung beginnt.
Wir wollten eigentlich das Konzentrationslager „Auschwitz I“ auch anhand einer Führung besuchen, jedoch begann die nächste Führung auf deutsch erst 90 Minuten nach unserem Ankommen. Und da wir es schon um 10 Uhr hatten und wir heute auch noch das deutsche Vernichtungslager „Auschwitz II“ / „Auschwitz-Birkenau“ besuchen wollten, entschieden wir uns dafür, die Gedenkstätten auf eigene Faust zu erkunden.

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Beide Gedenkstätten kosten keinen Eintritt. Jedoch muss man sich im Hauptgebäude des Lager I ein „Free Ticket“ lösen, danach folgt eine Sicherheitskontrolle (wie am Flughafen) und erst danach darf man die Gedenktstätte betreten. Wir haben uns im Bücherladen der Gedenkstätte eine kleine Info-Broschüre sowie einen Plan gekauft. Damit sind wir gut über die Runden gekommen.
Im – fast komplett erhaltenen – Lager I von Auschwitz werden in einigen Baracken verschiedene Austellungen angeboten. Unter anderem kann man hier erfahren, wie die Judenverfolgung durch den nationalsozialistischen Staat in Europa stattgefunden hat, wie das Leben im Lager war oder durch welche – unübersehbaren – Beweise der Holocaust bewiesen werden kann.

Die Stimmung in beiden Lagern war bedrückend. Immer wieder versucht man, sich vorzustellen, wie sich die deportierten Menschen in diesem Lager gefühlt haben müssen. Sie mussten jede Sekunde damit rechnen, willkürlich ermordet zu werden. Egal ob durch Vergasung, Erschießung, Erhängung oder durch die brutale körperliche Gewalt der SS-„Menschen“. Neben diesen Gefahren lauerte natürlich täglich der Tod durch Verhungern, durch die zahlreichen schweren Erkrankungen, die sich durch die katastrophalen Zustände in den Lagern rasch ausbreiten.
Schon hier wird ersichtlich, dass sich das heutzutage keiner der iPhone- und Starbucks-Generation vorstellen kann. Es ist unmöglich, sich so etwas vorzustellen bzw. sich in solch eine Situation hineinzudenken.
Aber gerade diese Erkenntnis ist besonders wertvoll: Es darf nie wieder soweit kommen, dass ein Teil der Menschheit in der Lage ist, so etwas Grausames zu tun.

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Ein Gedanke der mich während des Besuchs immer wieder beschäftigt hat, ist der, dass wir hier einfach „vergnügt“ über das Gelände laufen, uns die Plätze der Gewalt und Grauens ansehen und später ganz einfach – so wie wir diesen Ort betreten haben – ihn wieder verlassen können. Was hätten wohl die gefangenen Menschen in der Zeit des Nazi-Regimes für dieses Privileg gegeben? Dieser Gedanke ist einfach unvorstellbar.

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Immer wieder erinnere ich mich an die Berichte der wenigen Überlebend von Auschwitz, in welchen sie über die grausamen Appelle berichten, bei welchen im Winter sogar die nackten Fußsohlen der Gefangenen am schneebedeckten Boden anfroren. Und heute laufen wir einfach so über dieses Stück Erde.

Nach ungefähr 2,5 Stunden waren wir mit der Besichtigung des Stammlagers Auschwitz I fertig.
Die „beeindruckenste“ Station des Rundgangs war die Gaskammer. Wie unvorstellbar ist es, dass in einem Raum – den wir heute einfach so betreten und verlassen können – das Leben abertausender Menschen für immer ausgelöscht wurde. Es ist unvorstellbar, welche Qualen und Ängste die Menschen in diesem einem Raum durchlebt haben müssen. Diese Menschen wurden durch die verblendeten Nationalsozialisten des dritten Reiches vernichtet. Das einzige was von ihnen übrig blieb, war ein Schleier aus grauem Rauch, der tief über beiden Lagern hing. Unvorstellbar.

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Danach sind wir in das drei Kilometer entfernte Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gefahren.
Dieses Lager ist um ein Vielfaches größer als das Lager I. Hier standen über 200 Baracken. Allerdings wurden die meisten Baracken während der letzten Tagen vor der Befreiung von den Nazis zerstört, um die Beweise ihrer grauenvollen Taten zu beseitigen.
Das wohl bekannteste Symbolbild des Lagers ist die Rampe, an denen die zahlreichen Transporte mit (vorwiegend) Juden aus vielen europäischen Ländern im Lager ankamen und direkt nach der Ankunft selektiert wurden: harte Zwangsarbeit oder Tod durch Vergasung. In diesem Lager verloren über eine Million Menschen ihr Leben. Unvorstellbar.

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Was muss dies für eine Zeit gewesen sein, in welcher Menschen mit einem solch abstrakten Merkmal (der Religion, der Herkunft) verfolgt wurden, gehasst wurden und sogar vernichtet wurden. Worin liegt der Unterschied zum heutigen Fremdenhass einiger Menschen in Deutschland? Worin liegt der Unterschied, wenn heutzutage Flüchtlingsheime angezündet werden oder Flüchtlinge auf öffentlicher Straße beschimpft werden.
Ich sehe keinen Unterschied! Schämt euch!
Auch damals hat alles mit unterschwelligen Fremdenhass angefangen. Dies ging soweit, dass Synagogen brannten, jüdische Geschäfte zerstört wurden und Juden in Ghettos separiert wurden. Worin dies letzendlich endete, wissen wir alle.

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