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Trans-Himalaya: Ein Flug über die Gipfel des Himalayas in die verbotene Stadt Lhasa

Wir hatten bereits in der Vorbereitung entschieden, den Nachtzug von Xining nach Lhasa nicht zu nehmen. Zum einen fehlte uns schlicht die Zeit, zum anderen erschien uns diese Variante im Hinblick auf die Akklimatisierung für unseren Körper nicht besonders sinnvoll.

So saßen wir an einem nebeligen Morgen ein letztes Mal am Frühstückstisch unseres Hotels, verabschiedeten uns gedanklich von Xining und schlürften genüsslich unsere Nudelsuppe. Da unser Flug erst zur Mittagszeit startete, verspürten wir keinerlei Eile und machten uns ganz entspannt auf den Weg zum Flughafen.

Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht, welch atemberaubender Flug vor uns lag.

Mit Zug oder Flug von Xining nach Lhasa?

Während der Planung entschied ich mich bewusst dafür, möglichst viel Zeit aktiv in Xining zu verbringen. Einerseits reizte mich der Gedanke, länger in einer Stadt zu bleiben, die von den wenigsten Reisenden als lohnender Zwischenstopp empfohlen wird. Andererseits bot sich so die ideale Möglichkeit, unsere Körper auf rund 2.200 Metern Höhe langsam an die Bedingungen zu gewöhnen.

Wir nutzten diese Zeit intensiv, unternahmen sogar Ausflüge auf knapp 2.800 Meter und gestalteten unsere Tage insgesamt sehr aktiv. Trotz dessen, dass wir uns beide einen kleinen Infekt eingefangen hatten, hatten wir das Gefühl, erstaunlich gut mit der Höhe zurechtzukommen. Natürlich schliefen wir nicht besonders gut, doch das führten wir weniger auf die Höhe als vielmehr auf den hartnäckigen Infekt zurück.

Mit dem Flug konnten wir nach unserer Zeit in Xining direkt auf etwa 3.600 Meter Höhe in Lhasa landen. Unsere Körper mussten somit einen Höhenunterschied von rund 1.000 Metern verkraften. Das ist ein auf jeden Fall sprunghafter Anstieg, aber einer, der für uns als durchaus machbar erschien.

Beim Zug hätten wir hingegen fast einen ganzen Tag oberhalb der Höhe von Xining verbracht und dabei sogar Pässe über 5.000 Meter passiert. Gerade im Hinblick auf die Akklimatisierung wirkte diese Variante auf mich alles andere als unbedenklich.

Hinzu kam unsere leise Vorahnung (oder vielleicht auch ein Vorurteil unsererseits), dass wir in einem Hotelzimmer vermutlich deutlich besser schlafen würden als in einem der Zugabteile.

Über Chinas stille Autobahnen zum Flughafen von Xining

Mit einem DiDi ließen wir uns vom Hotel abholen und fuhren zum Flughafen. Jedes Mal war es für uns aufs Neue faszinierend, über die chinesischen Autobahnen zu gleiten. Unsere Blicke schweiften über die riesigen Wohnanlagen am Wegesrand, während wir den überraschend leisen Verkehr beobachteten, der fast ausschließlich von Elektroautos geprägt ist.

Schon bald tauchte in der Ferne der Flughafen auf. Ein Gebäude, das aussieht wie viele Flughäfen, die vom chinesischen Staat gebaut wurden. Egal ob in Laos oder Kambodscha, diese Flughäfen ähneln sich stark in Architektur und Aufbau.

Auch hier machten die Menschen in China ihrem Ruf alle Ehre: Es war sauber, geordnet und angenehm ruhig. Wir fanden uns schnell zurecht, zeigten beim Check-in unser Permit für die TAR (Tibetisch-Autonome Region), gaben unser Gepäck auf, nahmen die Bordkarten entgegen und wollten anschließend zur Sicherheitskontrolle weitergehen.

Einchecken und dem Pass hinterherlaufen

So reibungslos, wie wir es von anderen Flughäfen kannten, lief es hier allerdings nicht. Mit meinem Pass schien es ein Problem zu geben. Die Sicherheitsbeamten ließen mich nicht durch den ersten Checkpoint, der später zur eigentlichen Sicherheitskontrolle führen sollte.

Zunächst sollte ich mich lediglich noch einmal ganz hinten anstellen. Doch auch der zweite Versuch blieb erfolglos. Mein Pass wanderte von Beamtem zu Beamtin und weiter zum nächsten Beamten. Meine Augen versuchten dabei, dem Dokument im entstehenden Wirrwarr zu folgen, aus Angst, ihn aus den Augen zu verlieren.

Schließlich wurde uns ein eigener Sicherheitsbeamter zugewiesen. Leider konnte auch er uns nicht erklären, worin genau das Problem bestand. Ehrlich gesagt weiß ich es bis heute nicht. Der Beamte brachte meinen Pass mehrmals zurück zum Check-in, es wurde telefoniert, erneut im Computer nachgesehen und wieder telefoniert. Mein Ticket hingegen wurde nie neu ausgestellt.

Wie auch immer – nach etwa 30 Minuten bekam ich meinen Pass zurück. Ich bedankte mich höflich für die Unterstützung, und wir durften den Checkpoint schließlich passieren, um zur Sicherheitskontrolle weiterzugehen.

Ab diesem Moment verlief alles wie an jedem anderen Flughafen. Nach der Kontrolle schlenderten wir durch die verschiedenen Shops, versorgten unseren Körper noch einmal mit dem Besten, was Burger King zu bieten hatte, und beobachteten die zahlreichen asiatischen Airlines.

Der Flughafen in Xining ist überschaubar, besitzt aber dennoch eine Größe, die genügend Raum bietet, um sich die Zeit bis zum Abflug ein wenig zu vertreiben.

Mit Sichuan Airlines nach Lhasa

Nun war es endlich so weit: Wir konnten den durchaus in die Jahre gekommenen Airbus A319 der Sichuan Airlines betreten und hatten das große Glück, eine ganze Dreierreihe für uns allein zu haben.

Schon kurz nach dem Start eröffnete sich vor uns der Blick auf die ersten Ausläufer des Himalayas. Zwar lag der Hauptkamm noch deutlich südlich unserer Route, doch einige Gipfel schafften es bereits, aus der dichten Wolkendecke unter uns herauszuragen.

Bereits hier bekamen wir eine erste Vorahnung davon, welch grandiose Berglandschaft uns in Tibet erwarten würde.

Abgesehen davon verlief der Flug bis zur Landung eher unspektakulär. Die Crew war ausgesprochen freundlich und versorgte uns hervorragend. Auf dem rund zweieinhalbstündigen Flug gab es ein warmes, schmackhaftes Essen und reichlich Tee. Besonders der grüne Tee, den mir die Crew mehrfach nachschenkte, blieb mir in guter Erinnerung.

Je näher wir der tibetischen Hauptstadt kamen, desto bergiger und karger wurde die Landschaft unter uns. Die Berge erschienen zunehmend braun, Grün war nur noch selten zu sehen. Durch die Täler zogen sich stellenweise wilde, dennoch stets türkisblau schimmernde Flüsse.

Der Pilot manövrierte den Airbus durch ein enges Tal. Als dieses endete, folgte eine enge Linkskurve, um in das Tal des Flughafens einzufliegen. Der Abstand zu den umliegenden Bergen wirkte dabei überraschend gering.

Nachdem das Flugzeug wieder waagerecht stabilisiert war, leitete der Pilot den letzten Teil des Landeanflugs ein. Kurz darauf setzten wir auf dem recht neu wirkenden Flughafen von Lhasa auf. Zu dieser Jahreszeit, im Oktober, erschien er uns beinahe überdimensioniert und ungewöhnlich leer.

Wir verließen das Flugzeug zügig, holten unser Gepäck ab und machten bei der Einreise keinerlei Erfahrungen mit den Geschichten, die man häufig im Internet liest – etwa von Gepäckkontrollen auf der Suche nach Reiseführern mit Abbildungen des Dalai Lama. Niemand kontrollierte uns, und wir konnten den Flughafen ganz entspannt verlassen.

Erstkontakt mit unserem Guide und Fahrer

Leider ist es so, dass man Tibet nur in Begleitung eines Guides bereisen darf. Das bedeutet, entweder schließt man sich einer Gruppe an oder man bucht eine private Tour. Aus verschiedenen Gründen entschieden wir uns für Letzteres.

Vor der Reise hatte ich allerdings gewisse Bedenken, ob ich mit einem Guide gut zurechtkommen würde. Ehrlich gesagt bin ich lieber auf eigene Faust unterwegs, unabhängig, selbst verantwortlich für Entscheidungen und den Verlauf der Reise. Genau deshalb war ich sehr gespannt, wie es sich anfühlen würde, mit einem Guide – und zusätzlich mit einem Fahrer – zu reisen.

Da wir die einzigen westlichen Touristen auf dem Flug von Xining nach Lhasa gewesen waren, konnte Tenzin uns am Flughafen schnell unter den anderen Ankommenden ausmachen und sein Schild hochhalten. Wir fanden ihn sofort und waren bereits in der ersten Sekunde angenehm überrascht von seiner sympathischen Art.

So blickten wir den kommenden Tagen in Tibet mit großer Neugier entgegen; gemeinsam mit unserem Guide Tenzin und unserem Fahrer Bimba.

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