You have been upgraded … Business Class fliegen mit Air France

[Ganz wichtig (Das muss man heute wohl immer erwähnen, da es genug Menschen gibt, die einem mit Hobby-Projekten – wie diesem Blog – eine gewisse Monetarisierung vorwerfen etc.): Keine Werbung, die Tickets wurden privat bezahlt und überhaupt kennt Air France den Futzipelz überhaupt nicht.]

You have been upgraded … you’re now business class.
Das waren die Worte, die wir von einem AirFrance Angestellten, hörten nachdem er unsere Premium Economy Tickets eingezogen hatte und uns die Tickets für die Business Klasse zurück gab.

Wir erlebten ein unvergessliches Erlebnis, womit wir im Leben nie gerechnet hätten und was wir uns auch nicht hätten leisten können. Es war einfach unglaublich.

Ein Gefühlschaos, welches seinesgleichen sucht. Erst noch auf dem Flughafen namentlich ausgerufen, dass wir uns am dringend am Schalter einfinden sollen.
Die Befürchtung, dass wir nicht fliegen können – da durch die Ausschreitungen viele Flüge der letzten Tage gestrichen wurden – wurde durch die Vorfreude auf die unbezahlbaren Flüge in der Business Klasse abgelöst.

Das Boarding begann für uns dementsprechend eher. Wir fanden, die nicht mehr ganz neue, aber sehr luxuriöse Business Klasse noch leer vor und konnten direkt unseren Platz beziehen.

Die Platz wer schnell bezogen, die Rucksäcke waren im Fach verstaut. Es gab auch keinen Streit, wie in der Economy-Class, da jeder Gast sein eigenes Fach hat.
Wir versuchten immer wieder den schmalen Grat zu finden, uns nicht zu ersichtlich zu freuen, um uns nicht als totale Noobs zu outen. Aber dennoch wollten wir voller Freude den geilen Business-Class Sitz erkunden.
Uns gelang es jedoch nicht, unsere Freude zu verbergen. Hier ein lautes Staunen, hier ein Selfie und dort irgendein verstecktes Fach öffnen.

Nur schwer gewöhnte ich mich an die verachtenden Blicke der Economy-Gäste, die während des Boardings an uns vorbei lieben. Sie waren ausgerüstet mit Trolley, Nackenkissen und hochpreisigen Kopfhörern. Ihre Blicke verrieten, dass sie gerade ihren Glauben an eine gerechte Welt, in der die schönen und gestylten Menschen im Leben weiterkommen, verloren haben.
Schließlich sahen wir nicht wirklich aus wie der typische Business-Typ. Kaputte und schmutzige Jeans, ein verstaubtes und zerknittertes Shirt und natürlich ein Cap, um den ungepflegten Haarschnitt zu verbergen. Insgesamt waren wir eher underdressed.

Ich glaube jedoch, dass das Team von Air France sich gefreut hat, offentsichtlich unkomplizierte Gäste zu begrüßen. Wir haben unsere Freude ziemlich direkt gezeigt und wie so oft im Leben, haben wir ebenso freundliche Gesten zurückbekommen. Den ganzen Luxus haben wir nicht für selbstverständlich genommen und waren für jeden Handgriff, der uns übertrieben abgenommen wurde, herzlich und ein wenig peinlich berührt bedankt.

Möge der Service beginnen

Noch vor dem Start stellte sich der Chef-Steward vor, wir lernten den Steward kennen, welcher für uns verantwortlich ist. Alle waren so verdammt nett und hatten vor allem Zeit für uns. Hier ein kleiner Plausch, da ein kleiner Witz. Es war toll.
Dann kam auch schon der Champagner bzw. der Orangensaft. Direkt danach wurde uns ein warmes Erfrischungstuch und das Anemity-Kit (Zahnbürste, Socken, Stift etc. in einer sehr schönen Tasche) überreicht.

Nachdem wir schon die ersten Promille in uns hatten, alles wieder aufgeräumt war, startete die Maschine. Kaum wurde die Reiseflughöhe erreicht, begann der richtige Service.

Es gab tolle Getränke. Uns wurde der Sitz erklärt. Das Duty-Free Angebot wurde vorgestellt. Alles sehr persönlich und individuell. Nicht nervig, sondern sehr zuvorkommend.

Mein Herz gewann unser Steward, als er mir leckere Getränke und tolle Snacks servierte, während ich mich durch die unzähligen Reisefotos in Lightroom kämpfte.

5-Gänge-Menü in 10.000m Höhe

Die Zeit bis zum Abendessen verbrachten wir bequemer als auf unserem heimischen, durchgessenen IKEA Sofa. Schauten Filme, arbeiteten am Notebook und genossen diese krasse Dekadenz.

Ich könnte jetzt die ganzen Speisen aufzählen. Aber letztlich reicht es zu schreiben, dass es eine tolle Auswahl gab und alles was serviert wurde, war frisch, war lecker und war wunderschön angerichtet.
Ganz entgegen aller Vorurteile von teuren Menüs auf viel zu großen Teller mit viel zu wenig Speise, waren wir danach sehr satt und konnten absolut nichts mehr essen. Wir konnten nahezu beliebig nachbestellen und mussten glaubhaft versichern, dass wir nun wirklich satt sind.
Dazu gab es einen leckeren Wein, fast ein wenig zu viel Wein, da unser Freund der Steward sehr freudig am nachschenken war.

Gefühlt wurde unser Verhältnis zu unserem Steward mit jedem getrunkenen Weinglas freundschaftlicher. Es hätte nur noch gefehlt, dass wir auf Brüderschaft trinken. Bis heute überlege ich noch, ob der Steward in der Boardküche heimlich mitgetrunken hat. (Das hat er natürlich nicht, aber die Vorstellung würde ich sympathisch finden.)
Denn auch sein Deutsch wurde von Gang zu Gang deutlich besser und lockerer – parallel zu meinem Französisch.

Gute Nacht … der Sitz wurde zum Bett

Das Essen war sehr schnell wieder abgeräumt. Die schwerste Entscheidung der letzten Stunde unserseits – die Auswahl des Desserts – lag hinter uns und es begann der gemütliche Teil des Abends.

Die Lichter der Kabine wurden angenehm gedimmt. Ein guter Film war eingeworfen, ein leckeres Getränk stand bereit und die Seele konnte baumeln und die Eindrücke vergangenen Reise verarbeiten.

Das Schlafen in dem verbauten Business-Sitz von Air France ist ein Leichtes. Der Sitz fährt automatisch zurück und auf einmal präsentiert sich der bequeme Sitz als eine ca. 1,90m lange Liegefläche.

Podcast auf die Ohren. Decke nehmen. Anschnallen und einschlafen.

Die Nacht verlief sehr friedlich und war sehr bequem. Ich konnte wirklich die ganze Nacht ziemlich am Stück durchschlafen und konnte es die ganze Zeit einfach nicht glauben, dass wir in einem Flugzeug sitzen … also liegen und schlafen.

Immer wieder schwankten unsere Gedanken während des Fluges in die Economy Klasse ab. Es ist solch ein enormer Unterschied zwischen den Klassen.
In der Regel ist die Nacht in der Economy Klasse nicht schlecht, aber ich kann mich beim Dösen im Standard-Sitz nicht wirklich erholen. Und bin am nächsten Morgen schon eher etwas k.o.

Ganz anders in der Business Class. Am Morgen wachte ich ausgeschlafen und erholt auf. Mein erste Gedanke war: „Fliegen wir überhaupt noch und sind wir schon gelandet?“ Dies konnte ich mit einem kleinen Realitätsableich mit nur zwei meiner fünf Sinne abklären. Das Flugzeig fliegt noch.
Mein zweiter Gedanke schloss sich dem ersten Gedanken sofort an: „Habe ich das Frühstück verpasst?“
Auch hier gab es sofort Entwarnung. Aus der Küche kam ein verführerischer Duft von frischen Brötchen und Kaffee.

Kaum hatte ich mein Bett wieder in den Sitz verwandelt und mir noch einmal bewusst wurde, dass dieser Flug kein Traum ist, sondern die unglaubliche Realität, kam auch schon das überwältigende Frühstück.

Nach einem kurzem Uhrenvergleich zwischen meiner Freundin und mir, fiel uns auf, dass wir schon in weniger als einer Stunde in Paris sein werden.

Der Service wurde trotzdem noch ganz in Ruhe durchgeführt, alle waren wieder sehr nett zu uns und überhaupt ließ das Frühstück keine Wünsche offen. Man konnte ganz in Ruhe essen und trinken. Es wurde einem Nachschlag angeboten – egal ob von süßer oder herzhafter Natur. So gut umsorgt ist man sonst nur bei Mama 😉 Es war wunderbar.

Ein überragender Service bis zu letzten Flugminute

Der Airbus näherte sich in großen Schritten der französischen Hauptstadt. Unser Frühstück wurde abgeräumt, die Zähne waren geputzt und der Rest wurde ausreichend frisch gemacht.
Nun hieß es, sich langsam darauf einzustellen, dass dieser Flug ein baldiges Ende hat und somit auch die (wahrscheinlich) einmalige Erfahrung – in der Business Class zu fliegen – ein Ende haben wird.

Und so war es dann auch. Kurz vor der Landung verabschiedete sich die Crew noch einmal persönlich von jedem Gast. Und wieder bekam man das Gefühl, dass man sich von guten Freunden verabschiedet. Nach ein paar Späßen und etwas Smalltalk setzte der Airbus auf und rollte auf seine endgültige Parkposition.
In der Economy Class wurden wahrscheinlich hektisch die Trolleys aus den Gepäckfächern gerissen. Wir hingegen suchten unsere sieben Sachen entspannt zusammen und durften als erstes das Flugzeug verlassen.

Dies ist ein oft unterschätzter Vorteil eines solchen Fluges. Das Gate war leer, wir konnten ganz in Ruhe zum nächsten Gate laufen und waren einfach nur entspannt. Kein Gehetze, kein Drängeln.

Eine bleibende Erinnerung und ein luxuriöser Abschluss einer tollen Reise

Wir werden die Reise nach Chile wohl nie vergessen. Hier erlebten wir nicht nur eine Landschaft der Superlative und ebenfalls die Ausschreitungen in Santiago de Chile werden wir nicht vergessen.
Genau so wird dieser Flug für immer in Erinnerung bleiben. An sich hatten wir uns „nur“ Tickets für die Premium Economy gegönnt und freuten uns schon während der ganzen Reise auf den Rückflug mit Air France in der Premium Economy.

Was wir dann jedoch bekamen, hätten wir uns niemals träumen lassen können.
Ein Business Class Flug bei Air France (sicher auch bei jeder anderen Airline) ist ein Erlebnis – ein unbeschreibliches Erlebnis. Ein Erlebnis, welches ich nicht mehr missen möchte.

Einen großen Teil dieses Erlebnisses – oder wie Fachleute zu sagen pflegen: des Produktes – machen sicherlich die materiellen Dinge und die „organisatorischen“ Vorzüge aus. Ohne dem tollen Sitz, den tollen Speißen oder dem zügigen Ein- und Aussteigen, hätte man sicherlich weniger zu erzählen gehabt bzw. weniger spektakuläre Eindrücke zum Teilen auf den verschiedenen Social Media Plattformen gesammelt.
Der größte Pluspunkt des Fluges lag jedoch bei den Menschen, die diesen Flug zu dem gemacht haben, was er in der Retrospektive für uns war. Ein unvergessliches Erlebnis.
Nett, zuvorkommend, lustig, höflich oder vorrausschauend wären nur ein paar Adjektive, die die Crew in Perfektion beherrschten. Sie haben sich sofort auf uns eingestellt und so behandelt, wie wir es am liebsten haben und uns einfach eine tolle Zeit bei Air France gegeben.

Wer also von euch einmal die Chance bekommt, in einer gehobenen Klasse zu fliegen, dann probiert es aus.
Ob es das Geld wert ist, was ein regulärer Flug in der Business Klasse kostet, kann ich nicht einschätzen, dass Erlebnis in unserer Situation war jedoch unbezahlbar.

Dankeschön an die unbekannte Person bei Air France, die uns auf dem Flughafen ausgerufen hat und entschieden hat, uns ein Ticket für die Business Class in die Hand zu drücken.

Merci Beaucoup!

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