Wie ich meine Polizei-Strafe mit Vokabeln zahlen konnte …

Marrakesch war nur eine Zwischenstation unserer Marokkoreise und somit musste es irgendwie wieder zurück zum Ausgangspunkt – Agadir – gehen. Das bedeutet: das Riad leerräumen und Abschied nehmen von diesem wunderschönen und spannenden Ort.
Der Zauber von Ouarzazate oder die Gerüche der Souks von Marrakesch halten noch an. Dadurch und durch den Fakt, dass das Ende der Reise naht, fällt der Abschied (wie immer) sehr schwer.
Als wir am Vormittag durch das alltägliche Getümmel – bestehend aus Motorrädern, unzähligen Menschen, vielen Autos und Karren sämtlicher Art – gefahren sind, ahnten wir noch nicht, dass wir bald eine unvergessliche Bekanntschaft mit der marokkanischen Polizei haben werden.

Bslamah Marrakesch … Tschüß die Perle des Südens

Die Stadttore Marrakeschs wurden im Rückspiegel des schnellen Miet-Franzosen immer kleiner und kleiner. Bis sich vor uns eine unendliche, trockene Weite eröffnete. Die Straße zog sich, wie mit einem Lineal gezeichnet, durch die Steinwüste und wir fuhren immer dem lodernden Horizont entgegen.

Schon im Februar herrschten hier recht warme Temperaturen von über 25°C. Die Umgebung sah vertrocknet, verlassen und lebensunfreundlich aus. In regelmäßigen Abständen passierten wir kleinere Ortschaften, in deren Zentrum die gut ausgebaute Straße meist aus nur noch einer befahrbaren Spur bestand.
Nicht etwa, weil die Straße ansich schmaler wurde. Viel mehr haben sich die Bewohner dieser Orte die Straße zurück erobert und ihre kleinen Markstände auf dem schwarzen Asphaltband aufgebaut.
Die Marktbesucher halten vor den Souks an und die Straße wird abermals schmaler.Die unzähligen Eselskarren sind hier noch gar nicht berücksichtigt.

Aber für uns kam diese kleine Entschleunigung gerade richtig. So konnte man hier und da einen Blick auf die spannende Umgebung werfen.

Eine Pause mit Überraschung

Wer weit fährt, muss natürlich auch gut rasten. Beim Rastplatz haben wir uns für eine Einfahrt am Wegesrand entschieden. „Pause in der Steinwüste“ hieß das Motto.
Tür auf – lüften – trinken und eine Kleinigkeit essen. Nur wenige Meter entfernt entdeckte ich eine alte Steinruine von längst verlassenen Höfen oder Wohnsiedlungen.

Neben einigen eingestürzten Mauern standen sogar noch halbwegs intakte Hütten, die aus großen Steinen gebaut wurden. Leider waren die kleinen verfallenen Häuser stark mit Müll verschmutzt und somit verlierte dieser Platz schnell seinen Reiz.
In Gedanken war ich schon wieder in unserem flotten Franzosen, als ich auf einmal einen Menschen in solch einer Behausung erkennen konnte. Der Schreck fuhr mir tief in die Glieder. Allerdings war nicht nur ich überrascht sondern auch der Bewohner. Wir beruhigten uns aber beide schnell – schließlich hatten wir beide friedliche Absichten. Nach einem kurzen Gruß verließ ich die Hütte und begab mich mit zittrigen Beinen zurück zum Mietwagen.

Touristen die auf Ziegen starren

Die Straße von Marrakesch nach Essaouria führte uns ganz unbeabsichtig zu einer sehr bekannten Touristenattraktion. Vor diesem kleinen Highlight standen einige „Männer [auch Frauen und Kinder], die auf Ziegen starren“. Bei wohl Marokkos bekanntesten Bäumen kann man durchaus einmal anhalten, den findigen Geschäftsmännern kann man auch ein paar Dirham geben und dadurch die Fotoerlaubnis von „ganz oben“ erhalten. Ein Foto ist es allemal wert!

Eine Nacht in Essaouira

Essaouira entpuppte sich als wunderbare Küstenstadt. Es gibt hier tolle Strandabschnitte, eine tolle Stadtmauer, an welche von der Brandung gezeichnet ist und natürlich eine wunderschöne, verwinkelte Innenstadt. Es ist ein kleiner Wohlfühl-Ort.
Dies hat sich natürlich auch unter den Toursiten herumgesprochen und dadurch ist man alles andere als allein. Aber das ist total okay, da es wirklich schön ist.

Unser Riad war direkt in der autofreien Innenstadt und somit war alles fußläufig erreichbar. Wir hatten leider nur einen Nachmittag sowie den Abend die Chance, diese Küstenstadt zu erkunden. Für einen kleinen Einblick hat es gereicht. Aber auch für uns lohnt es sich, nochmal zu kommen.

Essaouira ist ein Küstenort, der sich auf den Tourismus eingestellt hat. Quer durch die enge Innenstadt sind Souvenirläden verteilt und es wird alles zum Verkauf angeboten, was das Urlauberherz begehrt. Im Lonely Planet konnten wir lesen, dass die Preise für Souvenirs in Essaouira günstiger sind als Marrakesch. Dies können wir bestätigen.
Falls du dir ein kleines Andenken mitnehmen möchtest: kaufe es dir hier!

Nach einem leckeren Abendessen sowie einem kleinen Folklore-Konzert machten wir uns Richtung Süden auf, um an diesem Tag Agadir zu erreichen.

Keep surfin‘

Dafür nutzten wir den Highway N1. Die Straße schlängelt sich an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei. Darunter sind vor allem viele Surfer-Hotspots am Atlantik.
Lohnenswerte Orte sind hier: Sidi Kaouki un Plage d’Imsouane. Hier gibt es wilde Wellen, tolles Panorama und natürlich kann man auch Surfer beim Wellenreiten beobachten.

Polizeikontrolle mit besonderer Währung

Gedanklich waren wir schon in unserem Hotel in Agadir – unserer letzten sowie ersten Station unserers Roadtrips. Die Atlantikstraße zog sich entlang zahlreicher Kurven und Kuppen. Überholen ist hier eigentlich unmöglich gewesen. Zumindest, wenn man wie wir im Chill-Modus fährt. Also genossen wir die Landschaft hinter einem Wohnmobil und achteten nicht weiter auf die Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Auf einmal tauchte eine Polizeikelle mit samt Polizisten neben dem Wohnmobil auf und hat uns auf einen kleinen Schotterstreifen gewunken.
Das Herz pochte, als ich die Scheibe auf der Fahrerseite herunterließ und der marokkanische Polizist wissen wollte, ob wir Touristen sind, woher wir kommen und das ich nun aus dem Auto steigen solle, um mit ihm zu sprechen.

Ich stieg aus und ging mit ihm zum Polizeiwagen. Er sagt mir, dass ich ein paar km/h zu schnell war und wie viel ich Geld mit habe. Das Ergebnis der Radar-Pistole konnte er mir nicht zeigen. Als er in meine leere Zweit-Geldbörse schaute, machte er sich wenig Hoffnung auf schnellen Reichtum.
Er kontrollierte meine Fahrerlaubnis und schrieb sich irgendetwas auf. Bevor er mich fragte, aus welcher Region Deutschlands ich kommen würde.
Er sagte mir, dass er einige Jahre in Deutschland gelebt hat und gern wieder Deutsch sprechen würde. Stolz präsentierte er mir sein können, in dem er ein paar Sätze in gebrochenem – aber gutem – Deutsch aufsagte.

Über seine nächste Handlung war ich überaus überrascht. Er holte einen anderen Block heraus und fragte mich nach Vokabeln. Wie wird „Auto“ ausgeprochen? Wie wird „Personalausweis“ richtig betont oder was ist der richtig Begriff für „das Fenster in der Tür des Fahrers“?
Von einer Geldstrafe sah er nach unserem Gespräch ab. Ich lobte noch einmal sein Land sowie seine tollen Deutschkenntnisse und fragte ihn, ob ich mit weiteren Vokabeln helfen könne. Er verneinte und freute sich zu gleich. Folgend verabschiedete er sich von mir und schickte mich zurück zum Auto.

Mit immer noch pochendem Herzen und auch einem etwas zittrigen Kupplungsfuß schlich ich mich mit unserem Mietwagen davon. Auf dem restlichen Weg bis Adgadir achtete ich schulmeisterlich auf die Geschwindigkeitslimits.

Was habe ich gelernt?

Der Mensch ist von Grund auf gut, auch wenn er – hier in diesem Fall – nicht so gute Absichten hat. Nichtsdestotrotz hat sich alles zum Guten gewendet. Es lässt sich mit allen Menschen reden und es ist immer schlau, in seiner Geldbörse wenig Bargeld liegen zu haben oder eine zweite Geldbörse zu nutzen, in welcher ebenfalls nur wenig Bargeld ist.

Dieses abenteuerliches Erlebnis war ein krönender Abschluss meiner erste Marokko-Reise.

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