Ein Lost Place Abenteuer in Belgien – Château Noisy / Miranda

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Ich habe wieder etwas mehr Freizeit und kann mich endlich wieder meinem Blog widmen. So muss das sein.
Da ich in den letzten Wochen keine großen Abenteuer erlebt habe, nutze ich die Gunst der Stunde und berichte von einem vergangenen Lost-Place-Ausflug.
Als wir Anfang Oktober aus dem schönen Sachsen – in Richtung Saarbrooklyn – aufgebrochen sind, wussten wir noch nicht, dass wir wahrscheinlich den Lost Place unseres Lebens finden werden.

Früh am Morgen verließen wir die saarländische Landeshauptstadt in Richtung Luxembourg. Dort haben wir den Tank nochmal günstig vollgekracht, um dann Non-Stop nach Belgien zu fahren. Der südliche Teil des Landes ist ein wunderbarer Landstrich: viele kleine Hügel, dichte Wälder und wunderbare alte Dörfer gibt es dort wie Sand am Meer. Man hätte eigentlich nach jeder Kurve anhalten können und den Auslöser der Kamera zum glühen bringen können.

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Langsam näherten wir uns dem Ort, wo das – unter Lost Place Freunden – legendäre Château Noisy stehen müsse. Trotzdessen, dass wir die Koordinaten hatten, konnten wir sie nicht in das GPS-Gerät eingeben. Falsches Format, umrechnen ging nicht, da keiner von uns mobiles Internet auf seinem Handy hatte. Egal.
Ganz abenteuerlich sind wir auf den Höchsten Hügel gefahren, sind dort zum höchsten Punkt gelaufen und haben das Schloss gesucht …. und auch gefunden.
Bei genauem Blick konnte man unter den zahlreichen Baumwipfeln ein paar kleine Türme sehen. Dies musste das Schloss sein!

Bevor es losging, schauten wir uns noch den Friedhof an. Genau dieser Friedhof war nämlich der höchste Punkt der Gegend – mit der besten Aussicht. Dieser alte Friedhof strahlte eine wunderbare und geheimnisvolle Atmosphäre aus. Es gab zahlreiche Grabstätten zu besichtigen. Eine solche Grabstätte hielt eine Überraschung für uns parat: Man konnte mehrere Särke sehen. Anscheinend war dieser kleine Friedhof das Opfer von Grabschändern. Viele Grabmäler waren beschädigt und zerstört. Wir konnten natürlich nicht widerstehen und mussten auch hier ein paar Fotos schießen.

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Nachdem wir alles besichtigt hatten und einen letzten Blick auf die Karte geworfen hatten, machten wir uns auf den direkten Weg zum Schloss. Sobald wir auf der Straße im Tal waren, konnten wir das Schloss jedoch nicht mehr sehen. Wir hielten auf gut Glück an und kraxelten den kleinen Hügel querfeldein hoch.
Nach einer kurzen Wanderung hatten wir das Schloss vor Augen: Was für ein Anblick! Warum steht solch ein Schloss leer? Die Fassade des Schloss‘ ist wie neu und es sieht einfach prächtig aus.

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Die obligatorischen Selfies vor dem Schloss waren gemacht und ab ging es ins Schloss. Ein mulmiges Gefühl war schon dabei. Während der Recherche habe ich in verschiedenen Foren gelesen, dass der Besitzer des Grundstücks regelmäßig zu Besuch ist und auch gern einmal seinen Hund oder Gewehr auf die Touris loslässt. Aber was soll’s, unsere Entdeckerlust war größer als unsere Angst.

Im Château selbst ist schon sehr viel zerstört. Es liegt überall Mauerputz, Müll oder gar ganze Teile der Zimmerdecke. Teilsweise sind die Böden marode und von den Decken tropft das Wasser. Einzig in der Küche des Anwensens stehen noch verschiedene Geräte und lasseen erahnen, wie hier in längst vergangenen Zeiten gekocht wurde.
Das Schloss wurde im Jahr im Jahr 1865 auf dem Boden des Bauernhofes „Noisy“ erbaut. In den ersten Jahren war dieses Anwesen unter dem Namen „Miranda“ bekannt und diente der Familie Liederkeke de Beaufort als Sommerresidenz. Jene Familie wohnte bis Ende der 1950er Jahre in diesem Schloss. In den folgenden Jahren diente es als Ferienheim für Kinder der französischen Bahnangestellten, bevor es ab den 1980er Jahren als Schulheim für belgische Natur- und Sportklassen genutzt wurde. Aufgrund der enorm ansteigenden Kosten wurde das Schloss am Anfang der 1990er Jahre geschlossen.
Dieses Schloss gilt als eines der bekanntesten Spukschlösser in Europa und diente schon einige Male als Filmkulisse verschiedener Filme.

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Als wir gerade in der ersten Etage, des – von Innen maroden und vom Verfall gezeichneten – Châteaus gewesen sind, haben wir eine Stimme und einen Hund gehört! Wir haben uns alle fast in unsere Hosen gemacht und uns schon vom Hund zerbissen in einer belgischen Gefängniszelle sitzen sehen.
Sofort haben wir alle Gespräche eingestellt und standen wie angefroren im Schloss, um keinen Laut mehr von uns zu geben. Nach einer gefühlten Stunde (ca. 60 Sekunden) bin ich leise zu einem der Fenster geschlichen und habe Ausschau gehalten. Und tatsächlich, hier lief ein Mann mit Hunde seine Runde. Glücklicherweise hatte er seine Schrotflinte zu Hause gelassen. Wir haben noch 10 Minuten gewartet und danach war niemand mehr zu sehen.

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Schnell hatten wir uns von diesem Schreck erholt und gingen auf einen der wenigen begehbaren Türme. Von hier oben war die Aussicht phänomenal! Wir hatten einen wunderbaren Ausblick über die im Tal versteckten Ortschaften und auf das benachbarte Schloss „Vêves“.
Wieder festen Boden unter den Beinen, haben wir uns den Rest des Schloss angeschaut. Im Erdgeschoss haben wir einige Schulbänke und -stühle entdeckt. Wie muss man sich wohl gefühlt haben, wenn man in solch einem riesigen Schloss zu Schule gegangen ist oder seine Ferien verbracht hat?

Für den Schluss unserer Erkundungstour haben wir uns die parkähnliche Einfahrt des Spukschlosses vorgenommen. Von diesem Punkt hat man einen fantastischen Blick auf die Fassade des Schlosses und auf den 50m hohen Uhrenturm –  das Wahrzeichen des Château Noisy. Es sah so fantastisch ist.

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Auf dem Rückweg sind wir durch den parkähnlichen Garten, welcher das Schloss umgibt, gelaufen und haben einen Eindruck bekommen, wie sich der Prinz von Dornrösschen gefühlt haben muss, als er das verwunschene Schloss gefunden hat.
Nach über 3 Stunden auf diesem verlassenen Grundstück hieß es Abschied nehmen. Zurück ging es wieder durch den dichten Wald.
Das weit vom Schloss entfernt parkende Auto, stand zum Glück noch und hatte auch keine zerstochenen Reifen 😉

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Mit vollen SD-Karten ging es noch in die belgische Hauptstadt und später zurück zu unserem Ausgangspunkt.

Was war das für ein Tag!

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • Hallo Heiko,
      danke für das Lob.
      Wir sind 2011 im Spätsommer auf dem Anwesen gewesen.
      Hat sich auf jeden Fall gelohnt. Schönes Schloss und eine wunderbare Gegend.

      Viele Grüße
      futzipelz

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